Der israelitische Bote
- Journal
- Der israelitische Bote
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (2.1.1879)
- Date
- 1879-01-02
- Page
- [Seite 3] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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+ Abonnement: Bierteljährhch 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 M-ark 50 Pf. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. V. Jahrgang. Erscheint jeden Donnerstag. Verantwortlicher Redacteur Moritz Baum in Bonn Erpeditiou: Petersftratze Nr. 8. Wann, 2. Januar 1879 (5639). Leitender Artikel. Predigt gehalten von A. A. Wolff, Dr. und Prof., Oberrabbiner. Fortsetzung. Mit einem Herzen, voll der innigsten Rührung begrüße ich Euch Alle an dieser heiligen Stätte in dieser feierlichen Stunde. Wohl ist es ein Tag, der meine Seele mit der höchsten und edelsten Freude er- -üllt, es ist oder auch ebenfalls ein Tag, an welchem ch Gott meinen tiefgefühltesten Dank abstatten und euch eine ernstliche Rechenschaft über mein Amt abtien muß. 50 Jahre sind also verflossen, seitdem e : sel. König Friedrich VI. mich hieher berief und ch im festen unerschütterlichen Glauben, daß der Herr n eren Lebenspfad überwacht, diese Berufung annahm. war in der Kraft und Frische der Jugend, erfüllt on Freude und Begeisterung, als ich zum ersten Male )or Euch erschien; heute seht Ihr mich dagegen als Ireis, nicht mehr mit denselben physischen Kräften, wohl aber mit demselben unbeugsamen Eifer; nicht mit demselben Blick voller Feuer, wohl aber mit demselben glühenden Enthusiasmus im Innern meines ^erzens. Gestatten Sie mir also nun meinem Herzensang zu folgen und mich über den göttlichen Berus '8 Priesters, über die Aufgabe; die ihm zu Theil rird und über den Beistand der göttlichen Gnade, der jm versprochen ist. Darüber hinaus vermag ich nicht t gehen und Sie erwarten auch nichts Anderes — d« Jede-*' von Ihm«» hat gewiß srine«--Bems ' > Gott bestimmt ihn ihm selbst, die einförmigste und l origste Laufbahn hier auf Erden ist gewiß reich an! äfttngen, reicher noch an Gottes Wohlthaten — das Mene und feierliche Fest des gestrigen Tages, des . rges der Versöhnung, welcher mich auch auffordert, ien prüfenden Blick auf mein vergangenes Leben zu ersen, ernstliche Rechenschaft über dasselbe abzulegen. T>azu möge Gott mir Kraft verleihen! In unseren Tagen, sowohl außerhalb wie inmitten Israels ist ein heftiger Kampf entbrannt zwischen dem Glauben und der Wissenschaft; leihen wir unser Ohr den Worten des Propheten: „Denn die Lippen des Priesters sollen Erkenntniß enthalten; von seinem Munde wird Lehre gefordert, denn er ist ein Abgeordneter des Herrn der Heerschaaren.") Der Priester soll sich also mit jedem Wissen vertraut machen; er soll die Erkenntniß aus seinen Lippen bewahren; von seinem Munde soll man aber nur »rdern die Lehre Gottes, die Thora; denn er soll oeder daraus Acht geben, was die blinde Leichtgläubigkeit noch was der Wahn oder der Jrrthum von 1) Lied der Lieder VII. W 13. 2) Psalm 119, ihm erwartet, da er nur der Gesandte Gottes ist. Ja, die Lippen des Priesters sollen Erkenntniß enthalten und man erwartet aus seinem Munde die Lehre Gottes; denn er ist ein Abgesandter des Herrn. Dieses ist also die Mission, zu der der Seelsorger berufen ist; man soll von ihm fordern können das Wort Gottes, und er soll ein Bote des Herrn sein. Folglich soll ihm der Gedanke fern liegen, durch sein Talent zu verblenden oder nach eitlem Lob zu ringen; er soll nicht das lehren, was die.Menschen in ihrer stolzen Weisheit für das Richtige zu halten wähnen, sondern er soll sich an die heilige Lehre halten. Er soll sie ohn' Unterlaß erforschen; aus ihr soll er schöpfen, was er seiner Gemeinde vorzulegen gedenkt, fein Wort soll voll Geist und Kraft sein, überzeugend die Anderen, weil er selbst überzeugt ist, es soll die Andern ergreifen, weil er selbst von dem Worte Gottes mächtig ergriffen ist. Und nicht nur dann allein, wenn er die Kanzel besteigt, nein! auch wenn er in seiner Arbeitsstube studirt, soll man bemerken, daß er sich fühlt als Gesandten des Herrn, daß er nur auftritt nachdem er sich sorgfältig vorbereitet und immer mit dem Gefühl, daß er weit davon entfernt ist, das Ideal des Priesters schon erreicht zu haben, nach welchem er mit allen seinen Kräften zusteuert. Selbst in seinem hohen Alter soll ev sich noch als Jünger betrachten, der zu den Füßen der alten Lehrer der h. Schrift sitzen soll, um die Kenntnisse zu sammeln, welche die Lippen des Priesters enthalten sollen, um an seine geliebte Gemeinde die Worte des Liedes der Lieder richten zu können: „das Neue wie das Alte, Alles habe ich für Dich ans^-hoben." Nicht nur beim "vssoatMo gefeierten .abtenjt, sondern überall, wo die Gelegenheit" sich darbietet, soll sein Streben darauf gerichtet sein, sowohl durch Belehrung, wie durch Rath und Trosteswort den Samen der göttlichen Lehre für das himmlische Reich anszustreuen. Ist er sumgeben von der Jugend, so soll er den Jüngling und die Jungfrau lehren, wie sie ihre Wege rein erhalten sollen, indem sie sich nach dem Worte Gottes richten;^ dem Greise soll er die Ueberzeugung beibringen, daß die weißen Haare eine schöne Krone sind, aber nur dann, wenn man wandelt in den Wegen der Frömmigkeit, der Gerechtigkeit und der Wohlthätigkeit^); dem Manne voller Kraft und Gesundheit soll er in Erinnerung bringen, daß jeder Mensch ein Nichts ist, selbst wenn er aufrecht stehet;4) daß Gott am Menschen kein Wohlgefallen findet wegen seiner äußeren Schönheit, sondern nur an denen, die ihn ehrfürchten und auf Seine Gnade vertrauert), in den Geist des Kranken soll er die Verheißung senken, die der Herr gegeben hat, sie auf ihrem Schmerzenslager zu stärken und ihrer Seele Heilung zu bringen?) Diejenigen, die sich V. 9. 3) Sprüchwörter Sal. 16, 31. 4) Psalm 39, V. 6. 5) Pf. 147, V. 11. 6) Pf. 41, V. 4-5. Der Bsurrnkönig und dir Jüdin. (Pon Johann Czhnski.) Kasimir erschien oft unter seinen Kindern, nahm Theil an ihren Waffenübungen und aß an ihren Tischen. Ueberall ward er mit Freudengeschrei empfangen. Der Adel, welcher Anfangs vor Ueberraschung geschwiegen hatte, schwieg jetzt vor Angst, denn er sah, daß es nur eines Winks von Kasimir bedurfte, um ihn zu vernichten. Die Bürger von Krakau blieben nicht stumme Zuschauer des kriegerischen Eifers der Bauern. Ein Theil von ihnen waffnete sich gleichfalls, und alle nahmen sie die Landesverthei- )iger gastlich bei sich aus. Vor den Häusern wurden wische gedeckt und Bier und Meth und Erbsen und >peck und Braten in Fülle aufgetragen — ein köst- *e8 Mahl für die armen Teufel, welche in ihrem - nichts Anderes als schwarzes Brod gegessen und oder schlechten Branntwein getrunken hatten, hluß des Mahls wurden sie von den Krakauer» Moos und künstliche' Während Kasimir die Leibeigenen zu den Waffen rief, verlor Ben Josef keineswegs seine Zeit. Schon hatte er nach Lemberg jenen Efraim, Sohn des Rabbi Morgenstern geschickt, welcher, als Bettler bei'm Festr mahl Ben Himmels erscheinend, die erste Nachricht von den Veränderungen in Rothreußen nach Krakau gebracht. Efraim hatte Befehle an die Rabbinen zu Lemberg zu überbringen, denen zufolge dem russischen Heer die Vorräthe ausgehen und die Juden in Rothreußen alles Mögliche thun sollten, um den Sieg Kasimirs zu sichern. Ben Josef selber begab sich in die Karpathen zum Hauptmann der Gorallen. Wenn er zum Teufelsarm kommen wollte, hatte er gewöhnlich einen Karren voll Beile, Meffer und andere Werkzeuge zum Gebrauch der Bergbewohner bei sich. Dies Mal kam er zu Fuß, ohne alles Gepäck, bloS mit einem Brief des Königs, worin Freiheit und Vergessen des Vergangenen den Gorallen zugesichert war, die am Krieg gegen die Ruffen Theil nehmen würden. Kaum war er aus der Ebene bei den ersten Hügeln angekommen, welche in Ketten sich hinter einander hin- ,-r.iehend, zu den höchsten Bergen des nördlichen Europa reu, so ward er von einer Schildwache angerufen. erwart^—^ , so frübreit" ~~!—r" Juse'rate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pf. Zahlbar hier. 9 Inserate werden bis Dienstag erbeten. Mo. 1. verirrt haben, soll er wieder auf den rechten Weg zurückzubringen suchen, indem er sie belehren soll, daß der Herr kein Wohlgefallen findet an dem Tode des Sünders, sondern an seiner Bekehrung und seinem Leben?) Den Reichen wird er daran erinnern, sich nicht dem Stolze hinzugeben und nicht auf dm Mammon sein ganzes Vertrauen, seine ganze Hoffnung zu setzen. Dem Armen wird er die Nothwendigkeit eindringlich ans Herz legen, für das ewige Leben einen Schatz aufzuhäufen. Ja! zahllos sind die Pflichten, die dem Gesandten Gottes obliegen. Wenn ich nun einen prüfenden Blick aus die 50 verflossenen Jahre werfe, während welcher ich auf diesem Felde gearbeitet habe, so frage ich mich: „Hast Du die Aufgabe erfüllt, die dir anvertraut wurde? Bist du wirklich der Gesandte Gottes gewesen? Bist du in jedem Augenblick bemüht gewesen, deine Gemeinde zu befriedigen, wenn sie bei dir Erbauung suchte? Hast du durch eifriges Nachdenken in Uebereinstimmung mit wahrer Gelehrsamkeit und durch fromme Forschungen in den Tiefen des göttlichen Wortes geschöpft? Hast du davon einen Gebrauch gemacht in Harmonie mit den Forderungen der Zeit und den Bedürfnissen der Seelen, um es so verständlich zu machen dem Unwissenden, erbaulich dem unterrichteten Manne, reich an Belehrung dem in der heil. Schrift Wohlbewanderten und ergreifend für den, dessen Wissen nicht so groß ist? Hast du dich bemüht, dir Eingang zu verschaffen zum Herzen Aller, Alt und Jung, Groß und Klein, Reich und Arm, Gesunden und Kranken.. Frommen und Gottlosen? JRH* *—■ leutselig und zuvorkommend gegen Jevermann wesen? Ein väterlicher Rathgeber, ein ernster n treuer Mentor allen denen, die sich vertrauensvoll d näherten? Bist du ein Freund der Seelen gewesen, indem du ihnen nur das darbotest, was zur Befriedigung des Herzens beitrug? 7) Ezech. 18, 23. Fortsetzung folgt. Gebet nebst Ansprache, gehalten von dem Herausgeber dieses Blattes beim Dankgo dienste im Betlokale der isr. ReligionSgesellschaft. (Schluß.) Und denselben Muth bewährte er stets selbst in heißesten Kämpfen sowohl gegen die inneren, als i äußeren Feinde des deutschen Vaterlandes. Nim erkaltete der Muth, wie schwer diese Kämpfe a waren, und nichts war und ist im Stande ihn zun zuschrecken, wenn es die Befestigung, die Fördern des Wohles und der Blüthe seines Reiches gilt. L äußeren Feinde, sie fühlen die Macht seines stark . Armes, die Kraft seines Scepters, und die inneren; Derselbe war ein bejahrter Mann von hohem Wuchs. Gleich allen dortigen Gebirgsleuten trug er anschließende Hosen, die durch einen Riemen um die Lenden sestgehaltcn waren. Sein Oberleib war mit eine weißen Hemd ohne Kragen bekleidet, welches am H durch einen glänzenden ledernen Knopf geschlossen \ Auf seinem linken Arm hing eine lange Jacke fliegenden Aermeln, die als Mäntelchen dienen ko» Auf dem Kopf trug er eine kegelförmige Peltzn' Seine Waffen bestanden in einem Knüttel und Veilchen. Ben Josef betrachtete den Gorallen näher v kannte in ihm den alten Spinat wieder. S wenigen Tagen, die er in den Bergen zugebn der Leibeigene des Pan von Wola ganz Schon hatte er die Zuneigung des Hauptr Wonnen und die Freundschaft seiner Genoff ihm ihre Zufluchtsstätte und ihre Nahrv wogegen er ihnen half fischen, jagen und in hohlen Bäumen und Felsenspalien an harte Leben, welches den Hunger mehr befriedigte, gefiel dem alten Spinat.- S- Kraft waren gurückgekehrt^