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Der israelitische Bote · 1876-05-11 · 19 (11.5.1876) · p. [Seite 4]

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Journal
Der israelitische Bote
Volume
2 (1876)
Issue
19 (11.5.1876)
Date
1876-05-11
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German
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der Liebe und Verehrung aus den verschiedensten Kreisen erfreut. Herr Ephraim selbst hat den Tag durch eine schöne That gekennzeichnet, indem er ein Capital von 15,000 Mark zur Unterstützung von Schülern der königlichen Gewerbeschule und der Mittelschule Hierselbst gestiftet hat; die Zinsen dieses Capitals sollen so vertheilt werden, daß alljährlich zwei Schüler der hiesigen Gewerbeschule, resp. Zöglinge eines Polytechnikums, die in Görlitz ihre Vorbildung erhalten haben, je 250 Mark, und zwei Schüler der Mittelschule je 125 Mark erhalten. Hamburg. (Pritvat-Mitth.) Ein eigenthümlicher neuer Verein hat sich hier gebildet, welcher den Zweck hat, Eheleute, welche gemischten Confessionen angehören, in jeder Weise zu unterstützen, weil bei einigen jüd. WohlthätigkeitSvereinen diejenigen Israeliten, welche eine Christin ehelichen, ihr Anrecht von Seiten des Vereins verlieren. Der Verein, welcher von Personen jüd. und christl. Confession gegründet ist, beabsichtigt auch einen Kirchhof anzulegen, auf welchem Israeliten und Christen auf speciellen Wunsch beerdigt werden können. D. * Iltsua. (Or.-Corr.) Kürzlich fanden hier an zwei auf einander folgenden Sonntagen die öffentlichen Examina an der hiesigen israelitischen Gemeinde Knaben- und Mädchenschule statt. Unter reger Betheiligung des Publikums und in Anwesenheit des Stadtschulen-Direktors sowie des Vorstandes der Gemeindeschule wurden die Kinder examinirt. Nicht nur das zahlreich erschienene Publikum sondern auch der Schul-Vorstand und der Direktor der hies. städtischen Schulen Herr Dr. Andresen verließen vollständig befriedigt den Prüfungssaal. Der Letztere drückte seine vollkommene Zufriedenheit mit den erzielten Resultaten in den hies. öffentlichen Blättern aus. Es thaten sich die untern Klassen der Knabenschule besonders hervor durch ihr fast tadelloses Deutsch sowie durch ihre Tüchtigkeit in den Realien, insbesondere in der Geographie, worin Ueberraschendes geleistet wurde. Die oberen Klassen glanzten als tüchtige Rechner. Durch alle Klaffen hindurch trat ein gründliches Wissen des Hebräischen hervor. Den hebr. Unterricht an der Anstalt hat zum größeren Theile der in weitesten Kreisen- Je&r* Literat bekannte Herr I. S. Witkower. Die Mädchenschule brillirte besonders durch bedeutende Kenntniffe in den fremdem Sprachen (Englisch und Französisch) durch alle Klaffen. Die obersten Klaffen besonders auch durch ihre Tüchtigkeit im Rechnen und in der deutschen Litrratur. — Diese günstigen Resultate, welche auch allgemein gewürdigt werden, verdankt die Schule einzig und allein ihrem Leiter dem hies. Oberrabbiner I)r. Löb, der weder Mühe noch Zeit scheut, die Schule, welche früher sehr herabgekommen war, zu heben. Ctstrrmch-Nngar«. Wien. Se. k. k. Majestät hat Herrn L. Herzberg- Fränkel, dem Handelskammersekretär der Stadt Brody, Unserem Vereinsmitgliede zur Anerkennung seiner vielfachen Verdienste das goldene Verdienstkreuz mit der Krone, verliehen. Frankreich. Bei der jüngsten Ersatzwahl im 13. Wahlbezirk von Paris, St. Denis, ging eö heiß her; fünf Candidaten bewarben sich um den Sitz in der Kammer. Das „Siöele" hatte seinen speciellen Candidaten, Herrn Camille See, ehemaligen Secretär des Herrn Jules Simon und während der Präsidentschaft des Herrn Thiers, Unterpräfect von St. Denis, empfohlen. Außer diesen drei Candidaten bewarben sich noch ein Herr Courvoisier, Fabrikbesitzer in St. Denis, der das Programm des linken Centrums vertrat, und der Redacteur des „Rappel", Bürger Barberet. Letzterer erhielt nur 712 Stimmen, der General Wimpffen wurde mit 1717 heimgeschickt, Herr Courvoisier sammelte 2112, Bürger Bonnet-Duoerdier erzielte 3027 Stimmen, und der Schützling des „Siöcle", Herr Camille See, war der erste am Ziele mit 5368 Stimmen. Herr Camille See, dessen Ernennung beim zweiten Wahlgange unzweifelhaft erscheint, ist ein elsässischer Israelit, Sohn eines Banquiers und Neffe des bekannten Pariser Arztes Dr. See, sowie eines jüd. Divisionsgenerals See, der augenblicklich eine Division in Paris commandirt und mit der Tochter des Banquiers Ellissen vermählt ist. Rußland. Petersburg. Die Regierung hat eine Verfügung erlaffen, wonach alle jüdischen Soldaten vom Dienste am Sabbath und an Feiertagen befreit sind. Großbritannien (Die Rückkehr der Inden nach Spanien.) Das jüdische Deputirtencollegium in London hat in seiner jüngsten Sitzung folgende Resolution angenommen: „Daß ein Memoriale des Deputirtencollegiums durch die Vermittelung des britischen Gesandten in Madrid Sr. Majestät Alfonso, König von Spanien, überreicht werde, worin Se. Majestät ersucht wird, in Gemeinschaft mit den spanischen Cortes das im März 1492 promulgirte Edict aufzuheben, durch welches die Juden aus Spanien verbannt wurden, und ferner in die Verfassung für die Regierung Spaniens die Verfügung aufnehmen zu lassen, daß die in diesem Königreich ansässigen Juden frei sein mögen, ihren religösen Glauben zu bekennen und die Gebräuche und Ceremonien ihres Gottesdienstes auszuüben, sowie die bürgerlichen Rechte spanischer Bürger zu genießen." Dem Vernehmen nach wird sich die anglo - jüdische Association mit dem Deputirtencollegium in der Ueberweisung dieser Petition vereinigen. (Hannov. Courier.) Mrkei. In Serajewo, der Hauptstadt von Bosnien, brach dieser Tage im jüdischen Viertel eine Feuersbrunst aus, welcher 200 Wohnhäuser und 5 Moscheen zum Opfer fielen. Als von der Festung ein Kanonenschuß das Feuersignal gab, wurde die ganze Bevölkerung von einem unbeschreiblichen Schrecken ergriffen, weil man allgemein an einen Ueberfall Seitens der Aufständischen glaubte. Die Garnison von Serajewo wird fortwährend verstärkt. Uermschtes. Gepfändete Synagoge. Unter den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Fünfhaus bei Wien circulirt folgender eigenthümlich stilisirter Aufruf: Glaubensgenossen! Wir sehen uns leider veranlaßt, euch eine höchst traurige Mittheilung machen zu müssen. Ueber unsere Gemeinde sind Gefahren heraufbeschworen worden, die jedem Männer, der sich Jude nennt, die Schamröthe ins Gesicht treiben müsstri. Unser neues Gotteshaus, unser bisheriger Stolz, wird wegen nicht bezahlter Schulden exequirt. Die. Beamten und Diener der Gemeinde haben .ihren fälligen Gehalt nich: ausbezahlt erhalten, und weitere Klagen gegen dlHesminde stuo im Zuge. Die fertigten, vom Vorstande als Vertrauensmänner eingeladen, haben bis zu dieser Stunde die Gefahr und ihre Bedeutung nicht gekannt, sie war Geheimniß. Die Mission, die uns zu Theil wurde, mit den Gläubigern ein Arrangement zu treffen, ist uns nur theilweise gelungen, und zur endgültigen Abmachung bedürfen wir eures Rathes und eurer Hülfe. Glaubensgenossen! Ueberwältigt von diesem drückenden Gefühle, sind wir nicht im Stande, euch heute mehr zu sagen, und wir appelliren an eure Begeisterung, die sich so oft zu Zeiten der Gefahr eingestellt hat, die das Judenthum so sehr auszeichnet, und — Gefahr ist vorhanden, größer als ihr glaubt, Gerüchte der mannigfachsten Art schwirren durch die Luft, und es wird Opfer kosten, sie zum Schweigen zu bringen. Wir laden euch Alle ein, ohne Unterschied des Ranges, arm und reich, einer höchst dringlichen Berathung beizuwohnen, die wir Sonntag, den 23. April d. I., Nachmittags 3 Uhr, im Saale der israelitischen Cultusgemeinde veranlassen. Möge sich Niemand von dieser Berathung ausschließen oder sernbleiben. Möge Niemand den Vorwurf auf sich laden, daß durch sein Fernbleiben ein „Zu spät!" der ganzen Gemeinde zugerufen werde! Fünfhaus, 17. April 1876. Der Ausschuß des Vertrauenscomitees. (Folgen die Unterschriften.") (M. Z.) Ein salamonisches Urtheil. Die „Preßb. Ztg. erzählt folgendes scharfsinnige Urtheil eines jüdischen Rabbiners: In Bilk e haben zwei Israeliten vor den jüdischen Osterfeiertagen ein ambulantes Kompagniegeschäft auf — Gänse etablirt; sie hausirten nämlich mit den fetten gerupften Gänsen. Der eine, welcher mit dem Geld manipulirte, legte den Erlös für den Verkauf einer Gans — lauter Kupfergeld — in den Bauch einer andern tobten Gans, der andere stahl den Inhalt des Gansbauches, was natürlich zu einem Konflikt zwischen den beiden Gänse- Händlern führte. Der Thäter leugnete standhaft und der Kompagnon ging in seiner Bedrängniß zum Rabbiner, um demselben den Fall anzuzeigen. Der Rabbiner citirte Beide vor sich und erklärte, der Angeklagte möge sein ganzes Kupfergeld in ein Glas Wasser werfen; wenn das Geld auf den Boden des Glases falle, dann sei er unschuldig. Der Dieb folgt erfreut der Anordnung des Rabbi und das hineingeworfene Geld sank natürlich auf den Boden des GlaseS. „Gewonnen!" triumphirte der Dieb. — „Dieb!" rief der Rabbi entrüstet, denn auf dem Wasser zeigten sich Fettaugen, ein Beweis, daß das Geld aus dem Innern der GanS genommen war! — M a z e § - K r a w a l l. In der Pester Theresienstadt waren am 5. die Dreitrommel- und Königsgasse, dann mehrere andere Orte des sechsten und siebenten Bezirks der Schauplatz sehr lärmender, fast tumultuarischer Seelen. Anläßlich der israelitischen Ostertage wurden, wie früher auch diesmal große Quantitäten Mazes aus Mähren und, Galizien nach Budapest gebracht und hier in den bezeichnten Gaffen in Gewölben eingelagert und zum Verkaufe ausgeboten. Im letzten Augenblicke hatte die israelitische Cultusgemeinde vom Handelsministerium eine Verordnung erwirkt, wodurch der Verkauf von MazeS nur Denjenigen gestattet wird, welche zur Erzeugung dieser Eßwaare von den betreffenden Organen der Cultusgemeinde unter Beachtung der rituellen Vorschriften autorisirt sind. Auf Grund dieser Ministerialverordnung wurden die Bezirksvorstehungen ersucht, alle Mazeöhandlungen, welche mit der uothwendigen Befugniß nicht versehen waren, zu sperren und die Maare zu confisciren. Die Bezirksämter vollzogen die Verordnung des Handelsministcrs stricte, was zu allerlei Auftritten Anlaß gab. Die meisten Händler gingen später der Maßregelung dadurch aus dem Wege, daß sie ihre Waare wieder nach der Eisenbahn brachten, um damit ihr Glück anderwärts zu versuchen. Die Ruhe unter den aufgeregten Parteien und Gemüthern wurde erst gegen Abend hergestellt und hatten die Bezirksvorstehungen ein hartes Stück Arbeit, um der Verordnung Geltung zu verschaffen. Treffende Antwort. Die Stadt Cincinnati gab neulich ein öffentliches Fest, wozu die Geistlichen aller Confessionen eingeladen waren, unter Anderen der jüdische Prediger Dr. Lilienthal und der katholische Erzbischof. Für Dr. Lilienthal war koscheres Essen eigens bestellt. Der Erzbischof näherte sich nach beendigter Mahlzeit Dr. Lilienthal und sagte zu ihm: „Wann, Herr Doclor, werden wir das Vergnügen haben, Sie mit uns essen zu sehen?" — „Auf Ihrer Hochzeit", war die prompte und richtige Antwort de- Doctors. Der Heimgang des gefeierten Traube und die vielen Nachrufe und Lobeserhebungen, die dem Verewigten gewidmet, öringm^nS ein Gedicht'in Erin^ung, da» deradatsch s. Z. brachte, als Traube nicht erlaubt nmrw am Grabe seines Freundes und Collegen „Gr aefe" zu sprechen, weil er — Jude war. Das Gedicht lautet: Grarse. Eine Geisterstimme. Ich sah euch stehen an meinen: Grabe, Euch, meiner treuen Freunde Schaar; Was ich gewirkt auf Erden habe, DaS legte Langenbeck euch dar. Doch sagt — ich schlaf' schon fünfzig Wochen, Und bin gespannt auf den Bericht — Warum hat Langenbeck gesprochen?. Warum denn sprach Freund Traube nicht? Vernimm! — Gern hält' gesprochen Traube Zu deinem Ruhm von ganzer Seel'; Doch sieh, ihm fehlt der rechte Glaube, Er ist ein Sohn von Israel! Zwar wär schon Mancher bei den Todten, Wenn nicht der Jude Traube wär': Doch ward zu reden ihm verboten, Wo Christen schlafen rings umher. O schweigt! Vergebens Hab' durchbrochen Ich manches Auges dunkle Nacht, Vergebens, ach! den Staar gestochen Und Licht und Leben neu gebracht. Vergebens ist, was ich geschaffen — Seht, daß wir alle Stümper sind! Denn Keiner von euch heilt die Pfaffen, D i e sind und bleiben ewig — blind! tttontrtfÄ ist ein Buch so rasend schnell verkauft JCOuj utvITlUl# worden, wie Dr. Airy's Naturheil- Methode. — Wir empfehlen allen Kranken, sich das berühmte illustrirte Werkchen anzuschasfen, es kostet nu* 1 Mark, und ist in allen größeren Buchhandlungen vorräthig. Die außerordentlichen Erfolge, welche dies Werk aufzuweisen hat, haben vielfache Nachahmungen hervorgerufen, die mehr oder weniger werthlos, jedenfalls aber mit dem obigen Buche nicht identisch sind. Es dürste daher im Interesse der geehrten Leser liegen, beim Einkauf nur Dr. Airh's illnstrirteS Originalwerk, herausgegeben von Richters Verlags-Anstalt in Leipzig" zn nehmen. %t%& der 8«t-e«1cheu B»chdr,Äerei in EU«,

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