Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 580

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 580 (sequence 602)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/7166791-9630800--1937-9623850
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

380 wo (Aalte und Gattin Hand in Hand wandeln, Hand in Hand sich die Hindernisse vorn Wege räumen, Hand in Hand sich über alle Schwierigkeiten hinweghelfen; sie kann aber auch eine steile Bahn sein, mübselig zu geben, dicht an Abgründen binwegfübrend, vor jähem Sturz nicht gewahret. Woblan, mein Brautpaar, ihr stehet jetzt am Scheidewege, ihr habt beide Bahnen vor ench; täuschet euch nicht, wenn euch in diesem Augenblicke Alles so lieblich, so voller Blumen der Freuden, - voller Blütben des Genusses, in so rosigem Farbenspiel erscheinet; nur kurze Zeit, und ihr gewahret, daß ihr an einem Scheidewege gestanden und es nicht gewußt; also wählet den Weg in's ,,ebene Land"; und damit ihr recht wählet, sprechet das Wort des Gebetes: „Lehre mich deinen Willen tbnn, mein Gott, Dein guter Geist leite mich ans ebnem Lande." Aber, mein Brautpaar, welches ist denn dieser Wille Gottes, den ihr zu tbnn hättet in eurem Bunde? Etwa, mein Brautpaar, daß eure Herzen jetzt ineinanderfließen voll Liebe, doch kurze Zeit, dann werden erst ihre Gefühle matt und immer matter, und dann gleichgültig, und dann wenden sie sich von einander und endlich wenden sie sich gegen einander voll Bitterkeit, ja bis zum Hasse? Oder ist es der Wille Gottes, daß, wie ihr beute eure Häude fasset, ihr sie nimmer wieder lasset, sondern fest verbunden, fest aneinandergeschlossen den ganzen Weg des Lebens gebet, in allen Zeiten, im farbigen Schmucke der Jugend wie im Silberschmucke des Alters? So sehet zu, daß ihr diesen Willen gern thuet! — Ist dieser Wille Gottes etwa, daß, so lange noch keine Sorge in eurem Bunde euch bedrückte, keine Entbehrung für einander ibr zu tragen, kein Opfer zu bringen gehabt, zwar der Sonnenschein der Liebe in eure Brust falle — aber, wenn der Wechsel des Geschickes erst kommt, und er kommt — ja, und das wisset, mein Brautpaar, das eheliche Leben ist nur eine Kette von Opfern, jedweder Tag, wie jede Stunde in ihm fordert ihr Opfer, sehet, wenig-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.