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Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 555

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Journal
Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 555 (sequence 577)
Language
German
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IRI
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555 Der Mensch, wie Blume des Feldes blühet er, so ein Sturm darüber hingehet, ist er nicht mehr, und man erkennet nicht mehr seine Stelle. Ja, eine Blume des Feldes, über die ein Sturm dahingeht, und sie ist nicht mehr, war dieser Jüngling. Weiß ich es doch, lieget sein Leben doch vor mir. Ein zarter Knabe noch, als ich das beilige Amt deS Wortes in der Gemeinde übernahm, mit einem offenen Herzen, mit einem schmiegsamen Geiste, wuchs er ans, in meine Hand legte er das Bekenntniß seines Glaubens, o wie viele Hoffnungen knüpften sich daran, wie viel versprach er. Da kam die Gluth der Jugend über ihn und sengte ihn. Da kam der Sturm der Jugend über ihn und traf ihn und nun ist er nicht mehr, und man erkennet seine Stelle nicht mehr; die Wogen des Lebens schlagen darüber zusammen, das Meer des Lebens rauschet und brauset weiter, und seine Stelle ist im Nn überfluthet. Doch wie? man erkennte seine Stelle nicht mehr? Wird das Vaterherz, so lange es schlägt, die Stelle vergessen, darin er, der einzige Sohn, gestanden? Wird das verzweifelnde Mutterherz ihn nicht fort und fort tragen durch all' seine Zeit tief in der innersten Kammer? Wird die einzige Schwester je sein Gedächtniß fahren lassen, werden seine Freunde sich nicht immer wieder des seelenguten, sich hingehenden Freundes erinnern? Und er ist nicht mehr? Mag es sein hienieden, unter denen, die über kurz oder lang auch nicht mehr sein werden. Aber eröffnet sich nicht das überirdische, verdeckte Reich, wenn das irdische sich schließet? Sehet, dort droben werden keine Gräber gegraben, sondern eS gehet aufwärts; dort fließen die Thränen nicht mehr nieder, sondern der Geist steiget in die Höhe. Die Gnade des Ewigen geht von Ewigkeit zu Ewigkeit, fährt der Psalm fort. Nein! nicht an dem Grabe des Greises,

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