Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 528 (sequence 550)
- Language
- German
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528 Decher bereiten, diesen Giftbecher denen, die euch den Kelch darreichten! Diese Täuschung eines Mutterherzens, eines Vaterberzens ist die unseligste, unselig sür die, so sie empfinden, unselig für euch, die sie bereiten. Und wenn ihr hoffet, einst sicher zu ruhen, einst zu lagern, und Niemand scheuche auf, glaubet ihr, daß ihr dieses könntet bei solcher Täuschung, die eure Ruhe stören, die von eurem Lager euch scheuchen würdet — Nein, nimmermehr! Wohlan, ihr Eltern, so vertrauet! vertrauet eurem Werke. Habt ihr eure Pflicht redlich erfüllet, habt ihr, was in eurer Kraft stand, an euren Kindern geübet, könnet ihr in diesem Augenblick die Hand auf das Herz legen, und sprechen: das Pfand, das du, Herr, mir vertraut, ich Hab' es gepflegt und gehegt, so weit mein Arm reichte, so weit mein Auge drang -- dann vertrauet, eure Hoffnung wird nicht zur Täuschung werden; wenigstens habet ihr das Gefühl treuer Pflichterfüllung, das Bewußtsein, gethan zu haben, was eures Amtes war — und dieses Bewußtsein, es ist Heller als Mittag! II. Aber an die Hoffnung der Eltern von der Jugend reihet sich die Hoffnung in den Herzen der Jugend selbst. Das Auge der Jugend schauet klar und ungetrübt in die Zukunft; wie baut sie diese sich auf aus fröhlichen Genüssen, tüchtigen Werken, großen Errungnissen; o was will sie vollbringen, wenn sie erst selbstständig in das Leben hinausgreifen werde; was wird sich ihr Schönes darbieten, wenn sie erst die Hand ausstrecken dürfe zum Ergreifen! So ist es recht, meine Söhne und Töchter; hoffet nur, lasset eure Hoffnung nur leben und eure Herzen erfüllen. Wer nicht hofft, der vollbringt, der erreicht nichts; wer nicht hofft, deß Seele schlummert und spornt ihn nicht an zur Thal, zum Streben und Ringen. Die ganze Kraft der Jugend ist ihr Hoffen; weil sie etwas werden soll, muß sie hoffen, es zu werden. — Und darum rufet ihr der Jugend nimmer zu: Ihr hoffet