Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 477 (sequence 499)
- Language
- German
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L77 teil der jüdisch-spanischen Schriftsteller den ursprünglichen Charakter zum Tbeil verloren und das französisch-rabbinische Gepräge trugen, so blieben sie doch immer in That und Wort, im äußern und innerlichen Leben buchst verschieden, und, was besonders nicht zu übersehen ist, die Metbode ibres Studiums, die Art ihres Vortrags, die Weise ibres Unterrichts war natürlicher, geordneter und logischer bei den Spaniern. Während Abarbanel, Karo und Andere in Portugal und Spanien schrieben, brachte der zwar gelehrte und geachtete R. Jacob Falk in Prag (gest. 1830) das talmudische Disputiren ans, von dem schon David Gans im Jahre 1692 sagte, 17 77 728 771P2 1777 'stt Dieser Charakter einer reinern, der Zeit sich anschließenden Bildung pflanzte sich in den portugiesischen Gemeinden fort, die sich nach der Vertreibung besonders in Holland, von da in England und in Hamburg und Altona, auch in Italien bildeten. Vergebens suchten nämlich die in Spanien lebenden heimlichen Juden, öffentliche Freiheit in der Bekennung ihres Glaubens zu erlangen. Als Kaiser Karl V. König von Spanien wurde, boten sie ihm für diese Freiheit eine Summe von 800,000 Kronen, und sie würden vielleicht ihren Zweck erreicht haben, wenn nicht der Cardinal Limenes das Gewissen des Königs bestürmt und den Abschlag ihres Gesuchs bewirkt hätte. Es konnte nun nicht fehlen, daß der Aufenthalt dieser Enußim in Spanien zu den sonderbarsten Ereignissen Anlaß gab. Viele erlangten mit der Zeit einen bedeutenden Einfluß, sie saßen in den Sälen der Cortes, im Rathe der Könige, ja selbst unter den Mönchen der Inquisition! Andere suchten, sobald sich ihnen Gelegenheit darbot, oder inquisitorische Untersuchungen droheten, mit ihrem Vermögen das Land zu verlassen, wo sie besonders in Holland nach der Befreiung dieses Landes vom spanischen Joche eine willkommene Aufnahme fanden. In diesen Gemeinden ging der Geist ihrer Ahnen nicht verloren, ihre Synagogen wurden prächtig erbaut, ihre Gebet-