Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 475 (sequence 497)
- Language
- German
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L75 Wollen wir noch einige Momente ihrem Angedenken weihen! Welchen Charakter besitzen ihre Schriften? Sie sind das Gepräge ihres innerlichen Lebens. Hier konnten und vermochten sie im Schmucke der heiligen Sprache ihre religiösen Gefühle niederlegen, — in der äußern Welt befanden sie sich bald in den Prunkzimmern der Großen, der Könige und Fürsten, geehrt und geschmeichelt, bald verstoßen, fanatisch verfolgt, am Wanderstabe auf der mit Blut getränkten weiten Erde, die nirgends eine ruhige Heimath darbot. Aber ihre Heimath war die heilige Schrift mit ihren Tröstungen und Verheißungen, ihr Eigenthum Erkenntniß uud Verehrung des einigen göttlichen Wesens. Und diese wechseln nicht! Ferner: ihr Schicksal war ein plötzliches, fast unverhofftes; der Fanatismus schlug sie aus einmal danieder und nagte nicht langsam und das bessere Ich und freie Wesen vergiftend, am Baume ihres Lebens. Ein Schlag, aber auch eine Ermannung, eine Aufopferung aller irdischen Freuden, eine noch ungeschwächte Kraft; daher der Geist spanischer Grandezza in ihrem Leben, in ihren Werken! Ganz anders verhielt es sich mit den Israeliten im übrigen Europa. Ihnen war das Leben eine fortlaufende Kette von Bitterkeiten, die Ringe dieser Kette waren kleinliche Neckereien, einzelne das Gefühl der Menschengröße und Gefahr bestanden, des Schicksals Verhängniß bekämpften; die an des Unglückstagen uns Mauer, uns Schutz waren; die dein Zürnen durch ihr heißes Gebet besänftigten und in ihrem Flehen bewahret worden! Ehe sie dich anriefen, hattest du sie erhört, sie verstanden es, dich zu bitten und zu versöhnen. Wie ein Natcr hast du dich unser ihretwegen erbarmet, ihr Antlitz kehrte nicht unbefriedigt von dir zurück. Um unserer Sünden Witten haben wir sie verloren unserer Vergehen wegen sind sie uns geraubt: sie sind eingezogen zur Ruhe, haben uns in unserm Elend verlassen. . . . Wir sind nach allen Weltgegenden rerirrt und finden nirgends Ruhe. Mit der Scham im Antlitze kehren wir zu dir zurück, allmächtiger Gott, dich vom frühen Morgen an zu suchen in der Zeit unserer Angst."