Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 453 (sequence 475)
- Language
- German
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453 der Welt, der von seiner Herrlichkeit den Wesen von Fleisch und Blut verliehen."*) Der Pabft redete sie an: „Ich bin nicht hierher gekommen und habe euch nicht hierher beschieden, damit wir ergründen, welcher von nnsern Glauben der wahre sei, denn ich weiß, daß mein Glauben der rechte ist und daß auch euer Gesetz wahr; auch sollt ihr solches nicht aufgeben; da aber der Meister Hieronymus es über sich genommen, euch aus dem Talmud eurer Rabbinen, die mehr wußten wie ihr, zu beweisen, daß der Messias schon längst gekommen, so ist es nur dieser Punkt, worüber ihr hier zu antworten habet." Freilich war den Rabbinen hier jede Gelegenheit genommen, zu beweisen, daß auch ihre Religion sie zur Gottesfurcht, Nächstenliebe, zur Tugend und zum Gehorsam gegen die Gesetze auffordere, das Feld des Streites war nur auf, dem praktischen Leben des Menschen wenig Früchte bringende Gegenstände reducirt, auf Gegenstände, die, wie einer der Abgeordneten später richtig der Versammlung bemerkte, dem Verstände und der Beurtheilung des schwachen Menschen nicht vorgelegt werden sollten; es wurde einer scholastischen und. spitzfindigen Disputirerei Thür und Thor geöffnet — dies zu einer Zeit, wo das Concilium zu Kostuitz die Spaltungen in der katholischen Kirche vereinigen, die Ketzerei aufbeben, unter mehreren Päbften den wahren erwählen sollte, von einem Pabste, den der größte Theil der Christenheit nicht einmal anerkannte, der ein Jahr später schimpflich abgesetzt wurde, dies auf Veranlassung eines unbedeutenden Menschen. Dieser Hieronymus zeigte denn auch seinen guten Willen gleich beim Beginn. Anfgefordert vom Pabste, den Disput anzufangen, redete er die Juden mit den Worten Jesaias an: Kommt, lasset uns mit einander rechten, spricht der Herr, weigert ihr euch aber und seid halsstarrig, so soll euch das Schwert fressen. Mit sanften Worten und Bekanntlich der Segensspruch beim Anblick von Königen und Fürsten.