Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 428 (sequence 450)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/7166791-9630800--1785-9623698- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
428 beimisch geworden in Syrien, Griechenland, Aegypten, Cyrene, in Italien und Spanien. Selbst in Rom erfreute sich eine sehr starke Gemeinde von über 10,000 Seelen längst vor der Zerstörung Jerusalems angemessener Verhältnisse. Niemals hat ein toleranteres Volk geherrscht, als das römische, niemals ein jegliche Religion mehr achtender Sieger das Schwert geführt, als der Römer. Ta er des Landes Götter in jedem Lande herrschend glaubte, huldigte er in Griechenland den griechischen, in Syrien den syrischen, selbst in Aegypten lange Zeit ägyptischen Gottheiten. Während er die Völker zertrat, wähnte er ihre Götter durch zahlreiche Opfer zu versöhnen, und sich günstig zuzuneigen. Denn die Grundlage seiner Religion war nur die Phantasie: die Bilder derselben waren ihm weder aus der Tiefe des Gemüthes gekommen, noch aus der Erkenutniß der Vernunft. — Darum wirkte denn die Zerstörung Jerusalems nur vorübergehend auf die außerpalästinensischen Juden; der Strom der heimathlos Irrenden verlor sich auf den Heerstraßen des römischen Reiches allgemach, der augenblickliche Haß des Römers gegen die Juden verschwand; und obschon dann und wann dieser durch die wiederholten Empörungen der Juden wieder angefacht ward, so beruhigte er sich nach hergestellter Unterwürfigkeit, und die Juden theilten das Loos aller dem römischen Zepter unterworfenen Nationen. — Im römischen Reiche fand eigentlich nur eine bevorrechtete Kaste statt, die der geborenen Römer, des römischen Bürgers. Als aber das römische Bürgerrecht allmählig über alle römische Unterthanen sich ausdehnte, und dieser Unterschied, diese Bevorrechtigung sich verlief, da stand jede ehrenvolle Laufbahn auch den Juden offen: kein Gewerbe war ihnen untersagt, freie Religionsübung gestattet, militärische und bürgerliche Aemter und Würden konnten sie erlangen, und erlangten sie wirklich. Im Ganzen müssen wir dieses von folgendem Gesichtspunkte betrachten. Wir bemerkten oben, daß die Römer keiner Religion feindlich gegenübertraten, sondern vielmehr jede mit der ihn-