Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 402 (sequence 424)
- Language
- German
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anders, als selbstsüchtige, stolze Volksherrscher und Volksknechte, und ohnmächtige Feiglinge, die in dem Sturme der Römer für ihre Freiheit nicht zu sterben vermochten? Keine aber der Nationen, die um ihre Freiheitsliebe gerühmt werden, kann Israel an die Seite gesetzt werden. Ließen sich die Israeliten doch kaum von Moses ruhig leiten, rissen sie sich doch schon unter dem Enkel vom Davidischen Hause los, kämpften sie doch siegreich gegen die mächtigen Syrer, und starben Millionen für ihre Selbstständigkeit im Kampfe gegen die Römer, zu der Zeit, wo nur Parther und Pikten das Schwert zu ziehen wagten — und, als sie nur in kleinen Haufen und Gruppen in allen Städten und Ländern saßen, unternahmen sie, 17 Jahrhunderte hindurch, den allergrößten, allerschwerften Kamps gegen Intoleranz, Fanatismus, Verfolgung und deren Martern, um sich wenigstens ihre innere, ihre religiöse Freiheit zu wahren. Dies ist eine Seite. Von der andern: die Geschichte anderer Nationen, während sie mit beredtem Munde die Schritte siegreicher Heere erzählt, deckt einen Schleier über die Wunden, an denen die Besiegten verbluteten; während sie die Wunder des bewaffneten Fanatismus beschreibt, hüllt sie in Dunkel die Seufzer der darunter leidenden Menschheit; während sie die Zahl der Krieger angibt, verschweigt sie die Zahl der Gestorbenen. Nicht so die israelitische Geschichte. Diese steigt in ein unterdrücktes, geschändetes Leben hinunter, diese legt die Wunden der Getroffenen an's Tageslicht, diese spricht von den Seufzern der Schmachtenden, diese erzählt von dem Elende der Menschen, nicht bloß von dem Flitterschein der Staaten. Daher entfließen der israelitischen Geschichte zwei Erfahrungen, die nicht laut genug sprechen können: von der innern Freiheit des Menschengeistes in allen Lagen, und von der Bösartigkeit jedes partiellen, nicht die allgemeine Menschheit und allgemeine Wahrheit betreffenden Fanatismus, Enthusiasmus, oder wie es genannt sei. Würden die Völker diese beiden Erfahrungen, die so lebendig aus unsrer Geschichte fließen, weil sie nicht dem Charakter einer