Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 385 (sequence 407)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/7166791-9630800--1742-9623655- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
385 Zeiträume erspart, zum Ziele einer höhern Gotteskenntniß zu kommen. (Ich sage mit Besonnenheit: Gotteskenntniß, denn die Gottes erkenntniß kommt nur zu Wenigen.) Diese Offenbarung nun mußte zuvörderst einen Empfänger haben, dann einen Bewahrer, endlich einen ewigen sichtlichen Beweis (ein »i-Sumeiitum a posteriori, das nicht aufhören darf, ohne daß das Argumentirte zusammenfiele). Das Volk Israel empfing die Offenbarung, bewahrte fie hierauf anderthalb Jahrtausende für sich allein, bis die Völker des Abend- und Morgenlandes reif geworden; diesen ward sie nun, Arabern und Germanen, doch nur sehr modificirt nach ihren Bedürfnissen, mitgetheilt; und so behielt von der Zeit an, Israel das dritte Geschäft, die Offenbarung in ihrer Ganzheit zu bewahren und einen ewigen Beweis der wahrhaften Offenbarung durch seine Existenz zu geben. Diese drei Aemter und Bestimmungen Israels, welche wesentlich Zusammenhängen und eins sind, habe ich oben mit dem einen Ausdrucke angegeben: Israel sollte der Träger der Offenbarung sein. In wie fern kann und muß nun dieses allgemeine Resultat moralisch auf uns influiren? Wahrlich, nicht als Theolog und nicht als Zelot, sondern als Geschichtsforscher logisch folgernd, werde ich, und Sie mit mir, verehrtefte Anwesende, einsehen, daß für unsre Glaubensgenossen insbesondere die moralische Notwendigkeit daraus entspringt, innerlich wie äußerlich sich dieser eben dargelegten Bestimmung würdig zu machen, und sie durch wahrhafte Würde auszuprägen: wie der Edelstein nicht mit Blei und Eisen, sondern mit Gold und Silber umfaßt wird, so muß Israel nicht als Blei und Schlacke, sondern als Gold und Silber den Edelstein der Offenbarung umfassen. Man hat es den Juden öfters zum Vorwurfe gemacht, daß sie dem in der heiligen Schrift ihnen oft beigelegteu Prädicate: Volk Gottes einen solchen Werth beigelegt hätten, daß sie sich über alle Völker erhoben. Allerdings wäre es thöricht, sich eines Verdienstes zu sehr zu rühmen, das kaum der Nation, sondern vielmehr Männern 2b