Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 358 (sequence 380)
- Language
- German
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358 weil dies ein so wichtiges Kapitel ist, will ich nächstens einige Bemerkungen darüber besonders hinzufügen. Ehedem ein vielgelesenes, jetzt vielvergeffenes Buch ist das Buch über die Erziehung der Kinder von Plutarcb (Trsxi 7r«'!8(,)v «727^). Die gesunde Vernunft hat es dictirt. Es sind keine Rousseau'scheu Phrasen darin, keine Basedow scheu Spielereien, überhaupt keine Neuigkeiten zu finden. Darum wird meinen Lesern ein kleiner Auszug der besten Sentenzen und Lehren nicht unangenehm, gewiß aber unschädlich sein. — Plutarch fängt mit der Erziehung der Eltern an, indem er meint, daß, da die vom, Vater oder der Mutter anerzengten Fehler den Kindern das ganze Leben hindurch anhängen, kein Mann sich mit einer niedrigen Frau vermählen solle (!) Er führt das Beispiel der Spartaner an, die den König Archidamus mit einer Geldstrafe belegten, weil er eine kleine Frau genommen', aus dem Grunde, weil er ihnen nicht Könige, sondern Königleine zu geben gedenke. (Kap. 2.) Sowohl in den Wissenschaften, als in der Tugend müssen drei Dinge zusammen kommen: die natürliche Anlage, der Unterricht und die Uebung. Den Grund legt die Natur, die Fortschritte bewirkt der Unterricht, die Anwendung und den Nutzen bringt die Uebung; die Vereinigung aller drei führt zur Vollendung. Die Natur ohne Unterricht ist blind, der Unterricht ohne natürliche Anlage mangelhaft, die Uebung ohne jene beiden unvollkommen. Die Trägheit verdirbt die Güte der natürlichen Anlage, der Fleiß verbessert den natürlichen Fehler; und wie wir Leichtes durch Nachlässigkeit nicht erlangen, so bemächtigen wir uns des Schweren durch eifrige Bemühung; ja selbst was der Fleiß gegen die Natur bewirkt, ist stärker als die Natur selbst: wie der fruchtbare Acker, wenn die Pflege aufhört, unfruchtbar und desto schlechter wird, je besser er von Natur war. Die guten Sitten selbst sind ja