Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 356)
- Language
- German
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334 niedergedrückt, und jeden Flug der Seele zum Höheren gefangen halten — dann wäre es zu spät, dann wäre der Acker steinig, das Unkraut hätte überhand genommen, und wucherte zu üppig, um noch ausgerottet zu werden. Und hiemit hätte ich denn, verehrte Anwesende, den Zweck dieser heute eröffneten Anstalt schon ausgesprochen. Dieser Zweck ist: in der ihr anvertrauten Jugend von der Kindheit an den Keim der religiösen Bildung zu entwickeln, in ihr die religiöse Grundlage für's ganze Leben fest und stcher zu bereiten, und sie ausgerüstet mit genügender religiöser Erkenntniß zu entlassen. Dies ist der Zweck — und die Mittel? sind zwiefach. Erstens der allgemeine Weg, und zweitens der besondere. Der allgemeine Weg ist der des Menschen überhaupt, auf welchem seine Verstandeskräfte entwickelt, und sein moralisches Bewußtsein geweckt und gestärkt werden. Hier müssen wir ausgehen von der Natur, von der Schöpfung Gottes, und indem wir der Knabenseele auf immer das feste Bild der Ordnung und Hoheit im Weltall und in den einzelnen Geschöpfen einprägen, weisen wir auf die Ursache alles dieses, auf Gott bin, und erwecken in der Seele insbesondere das Gefühl, wie sie nach dem Muster Dieses ihr irdisches Leben mit Ordnung und Hoheit einzurichten habe. Der besondere Weg ist für uns der des Israeliten. Hier müssen wir ausgehen von der Offenbarung des göttlichen Wesens durch Moses und die Propheten, schließen uns dann enger an den Gang der israel'tischen positiven Religion, so daß hier nothwendig eine genaue Kenntniß des israelitischen Ceremoniale und eine hinreichende Sprachkenntniß des Hebräischen mit eingeschlossen ist, um unsere Gebete und wenigstens die heilige Schrift zu verstehen. Alle Neligions- und Morallehren, wie sie die Offenbarung gibt, gehen von drei Grundsätzen aus: in der Erkenntniß Gottes von dem Gebote „Ich bin der Ewige, dein Gott;" in der Pflichtlehre gegen sich selbst, von „Ihr sollt heilig sein;" und in der Pflichtlehre gegen seine Nebenmenschen, von „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst."