Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 355)
- Language
- German
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333 niedere, entwurzeln sie und nehmen ihnen ihre vergiftende Kraft, und durch unser Wesen gießen sie eine heitere Anmuth, eine liebliche Harmonie, ein süßes Gefühl der Beseligung. Was brauche ich Ihnen die segensreiche Wirksamkeit noch fürder zu schildern? Was hat die menschliche Welt von jeher als die Wirkung des Entgegengesetzten erlebt? In den Zeiten, wo schale Zweifelsucht die Religion verdrängt hatte aus den Gemütbern, oder da, wo eine gereinigte Religion die Herzen noch nicht ergriffen hatte, welche Verwilderung, welche Unzarte, welche Roheit regierte damals die Welt? Der Aberglaube führte sein düsteres Gewölk über die Erde, unter dessen Schatten Tausende den Scheiterhaufen besteigen mußten, als Zauberer, Hexen und Ketzer, Tausende durch das Schwert getödtet wurden, ganze Geschlechter verachtet und verstoßen umher irrten: alle Handlungen der Menschen wurden geleitet von den rohen Triebfed.ern des Eigennutzes, der Völlerei, der wildesten Leidenschaften. So floß von jeher die wahre Bildung, die wahre Gesittung aus der rechten religiösen Erkenntniß hervor. Aber diese religiöse Bildung des Menschen kann nicht beginnen, wenn dieser schon in allem Andern ausgebildet und entwickelt da steht: in der frühesten Kindheit muß der Grund gelegt werden; wenn der Mensch noch frisch aus der Hand der Natur hervorgegangen ist, muß dieser Ton schon geweckt werden; in der kindlichen Seele findet dann leicht, aber innig, aber unauflöslich für das ganze Leben diese Verschmelzung des Göttlichen und Menschlichen Statt. Nicht dann erst, wenn das Leben und seine Verwirrung schon den Blüthenstaub abgewischt von der jugendlichen Seele, und die leichten Schwingen des jugendlichen Geistes mit der Schere der Convenienz zugeftutzt hat; nicht dann erst, wenn die Leidenschaften unsere Brust schon durchwühlt und die Ordnung der Natur schon verkehrt haben, wenn Eigennutz, Wohllust, Betrug, Verstellung, List, Hochmuth sich die Herrschaft errungen; nicht dann erst, wenn die Drangsale des Lebens den Geist