Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 312 (sequence 334)
- Language
- German
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3ir warum so viele Israeliten so wenig Israeliten sind, und von ihrer Religion nicht mehr haben als den Namen! II. Vieles entwickelt sich von innen, theure Zuhörer, unbewußt steigt es aus der Brust herauf und stellt sich vor den erstaunten Menschen — Vieles kommt auch von außen, entspringt aus dem unaufhaltsamen Strome der Zeiten und Ereignisse. Will man daher eine Erscheinung genügend erklären, so muß man sie von innen und außen erfassen und begreifen. Soll ich es mit einem Worte sagen, was ich darüber denke, meine Freunde? Ich glaube, Israel ist jetzt erst recht zerstreut unter die Völker! Obwohl unter die Nationen geworfen, über alle Theile der Erde, hatte unser merkwürdigstes aller Völker nie aufgehört, eins zu sein, und durch unsichtbare Bande zu Einem zusammengehalten zu werden. Jetzt aber, in unserer Zeit, ist Israel erst zerstreut worden, weil es aufgehört hat, zu einem Volks- und religiösen Wesen zu gehören, sich zu einer Nationalität und Religion zu bekennen, weil es, so viele Länder und Orte, so viele verschiedene jüdische Parteien, ja so viele Köpfe, so viele verschiedene jüdische Glauben gibt. Woher dies? Weil man zu viel nach außen gegangen, weil man die Bildung der Völker mit der Religion Israels nicht auf die rechte, angemessene Weise zu vereinigen gewußt, sondern im gegenseitigen Streite die letztere verlassen und hintenangesetzt hat. Verstehet mich wohl! Wahr und unleugbar ist es, daß auch wir Juden, daß auch das Judenthum Theil nehmen mußte und müsse an der Aufklärung der Nationen, an dem Vorwärtsstreben der Menschheit; auch wir mußten und müssen uns anschließen an die Veredlung und Bildung, die sich überall hervorgethan. Mußten wir aber darum unsre Religion, unfern Glauben und unser Gesetz aufgeben? Mußten wir darum Israel, und Alles, was israelitisch ist, verachten und verwer-