Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 274)
- Language
- German
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252 die Wanderung am Schwuothfeste die Religion, und wie wir für jene Wanderung am Peßachfeste einen Ersatz fanden in Gemeinde und Synagoge, so finden wir für die Wanderung am Schwuothfeste nur einen Ersatz in der zweiten Bildungsstätte Israels — in der Schule, im Religionsunterrichte. Denn durch diesen erneuert sich der Buud der Religion in den auswachsenden Geschlechtern. Das Element der Religion, verehrte Zuhörer, ist der Glaube an den Gott Israels und der Gehorsam seinen Gesetzen. Diese sind es, welche den zarten Gemüthern eingepflanzt werden müssen, wie man den zarten Keim in den Schooß der Erde versenkt, daß er darin wurzele auf alle Zeit. So muß es geschehen mit den Kindern Israels, aus daß kein Sturm des Lebens, kein Hohn der Welt, keine Verstoßung, kein Opfer Herausreißen die Ehrfurcht und die Liebe zur Religion und zum Volke. Dies muß geschehen: sonst ist es eitel Werk. Das Leben wechselt, die Wünsche und Hoffnungen wechseln, die Zeiten wechseln, aber die Religion darf nicht wechseln, nicht im Knaben, nicht im Jünglinge, nicht im Manne, nicht im Greise, nicht in der Jungfrau, nicht im Weibe, nicht im Herrn, nicht im Diener, nicht im Reichen, nicht im Armen, nicht im Glücklichen, nicht im Unglücklichen, nicht im Leben und nicht im Tode. Wenn das Haar grau wird, wenn die Glieder lahm, die Gedanken matt, das Auge dunkel, das Ohr still, die Lippen zitternd werden — die Religion muß bleiben einig und eins, denn einig und eins ist sie. Wohl daher den Gemeinden, deren Kinder eines solchen Unterrichts theilhaftig werden, wehe den Gemeinden, die nichts thun oder Halbes — sie berauben sich ihrer Stützen, ihrer Fortdauer, wie wollen sie bestehen? Ist es nicht im Religionsunterrichte, wo sich die Kinder Israels vereinigen, wo sie hören gemeinschaftlich von den Geschichten der Vorzeit, von den Thaten ihrer Altvordern, von den Geschenken des Herrn, von den Lehren, vom Glauben, vom Gesetze unsers Gottes? Darum muß dem Religionsunterrichte Raum und Zeit geschenkt werden, er muß