Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 251)
- Language
- German
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229 111. Und der Rabbi fährt fort: die Bach weide entspricht dem Munde. — Aus dem Munde, meine Freunde, fährt der Gedanke der Seele, gekleidet in den flüchtigen Hauch. Aber dieser flüchtige Hauch kann verwunden des Nächsten Herz, kann zerstören des Nächsten Freude, kann verläumden den Bruder; dieser flüchtige Hauch trägt den Stolz, den Uebermuth hervor ans der Seele, und der Mund ist es, der ansspricht: ^8! ich bin ein großer Mann! Aber auf den Lippen wohnet auch die Sprache der Demuth, die Sprache der Bescheidenheit, welche wohlgefällig ist dem Herrn in dem Sinne des staubigen Menschen, der in Asche zerfällt, ehe er es gedacht! Und dieser Demnth, die ans den Lippen des Weisen wohnt, Sinnbild ist die niedere Weide an den Ufern der Ströme und Bäche. — Die Demuth wandelt ruhig und still im Schatten und drängt sich nicht hervor an das Licht, und prahlet nicht mit ihrem Thun und Vollenden — und darum ist die Weide, ihr Sinnbild, in deren Namen angedeudet ist der Schatten, die Dunkelheit, der Abend, 2^5?. Aber der Weg der Demuth führet zum Himmel hinauf, denn der Herr schauet wohlgefällig ihren bescheidenen Wandel, und sie bringt herrlichere Werke in ihrer Dunkelheit hervor, als die Hoffahrt in ihrem schillernden Lichte — und darum ist die Weide ihr Sinnbild, denn heißt auch der Himmel, wie der große Aden Esra bemerkt, nach dem Vorgang des Rabbi Moses, und darum heißt es im Tal. Succ.: 2^^ der Gebrauch der Weide ist die Grundlage der Propheten, d. h. nur durch Demuth wirst du theilhaftig der Göttlichkeit und des göttlichen Geistes! Und dies hat der gelehrte Rabbi gewußt, und darum gesagt: die Weide entspricht dem Munde! — So wohne denn, meine Freunde, die Demuth auf unfern