Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 212)
- Language
- German
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190 ruhen an dem Schemel der göttlichen Herrlichkeit. Sollen wir uns da. wie der Prophet sagt, verbergen in die Klüfte der Erde, in die Spalten der Felsen, in die Höhlen der Berge vor dem Schrecken des Ewigen und vor der Pracht seiner Majestät? Nein! der den Menschen schuf, und ihn kennt, der dem Erdensohn seinen schwankenden Geist verlieh und seine ewig feste Gesetzesburg, am Tage der Versöhnung treten wir heran zu dem Throne seiner Allbarmherzigkeit, zum dritten und höchsten Werke der Versöhnung, zur Versöhnung mit Gott! Das ist die Tiefe in den Sünden, meine Brüder und Schwestern, daß wir nicht allein gegen uns selbst, nicht allein gegen unsre Nebenmenschen, sondern in jeglicher Sünde zugleich gegen Gott sündigen, gegen den Vater des Weltalls. Denn seine heiligen Gebote untersagen uns jede Sünde und jeden Fehltritt, und so übertreten wir in Ungehorsam, in Undankbarkeit und sonder Ehrfurcht den Willen Gottes, den wir kennen, wenn wir sündigen. Nicht nur' wer falsch schwöret, wer seinen heiligen Namen mißbraucht, wer ihn verleugnet, wer nicht betet und sich nicht demüthigt vor dem Herrn, sondern jeglicher Sünder ist auch ein Sünder gegen Gott und an Gott. O, meine Lieben, ihr Alle meine Gefährten auf dem Wege des irdischen Lebens, heute ist der Tag der Versöhnung! Lasset uns uns niederwerfen in den Staub und das Antlitz beugen auf unsre Knie — der du prüfest unsre Nieren, der du kennest die geheimsten Wege unsrer Gedanken, was sollen wir sprechen vor dir? wie uns rechtfertigen? — O, nur das Eine, das Eine, Brüder, bedenket, nicht wenn wir sprechen: es soll nicht wieder geschehen! und dann hingehen, und des Wortes vergessen, und thun, wie wir vordem gethan — nicht das genüget. Soll der nicht sehen, der das Auge gebildet, der nicht hören, der das Ohr eingesetzt? Wahrheit! Wahrheit! ist er und kennt er und schaut