Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 174)
- Language
- German
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152 bedenken, daß von Neuem der Kreislauf der Monde beginnt, der Kreislauf der Geschicke, der Kreislauf der Freuden und Leiden, der Kreislauf des Großen und Kleinen!-Der Gedanke, meine Freunde, daß alles Irdische vergänglich ist, erweckt gewöhnlich Schmerz und Trauer in uns — nicht so? Da stellen wir uns vor, daß unsre Jugend, daß unser ganzes Leben einst wie ein Traum vorüber sein wird, daß wir alle diese irdische Herrlichkeit, irdischen Genüsse und Freuden, irdisches Weben und Treiben verlieren und verlassen werden, und nur ein winziger Fleck der Erde zu unsrer letzten Stütz- und Ruhestätte wird.-Aber falsch ist dieser Gedanke, unrichtig dieser Schmerz, ungegründet diese Trauer! Die Vergänglichkeit des Irdischen ist der Trost des Irdischen. Denn der Wechsel führt zur Vollendung. Daß die Zeiten immer weiter schreiten, und in den Zeiten die Zustände, und in den Zuständen der Mensch, daß wie die Zeit nicht stille steht, auch das Irdische nicht stille steht, und die Nichtigkeit und das Weh des Irdischen nicht stille steht, ist das nicht ein Beweis, daß der Mensch nach den Jahren der Erde zu den Ewigkeiten des Himmels gelangt? nach dem Wechsel und der Vergänglichkeit zu der Beständigkeit und Unveränderlichkeit? vom Unvollkommnen zum Vollkommnen, von der Erde zum Himmel, vom Diesseits zum Jenseits, von den Menschen zu Gott? Wenn der Mensch in dem Kreislauf der Jahre die Stufenleiter des Lebens hinaufsteigt: vom Kinde zum Knaben, vom Knaben zum Jüngling, vom Jüngling zum Manne, vom Manne zum Greise, vom Greise zum Todten — was anders will dies zu MS sagen, als: lege die Schwäche des Kindes ab, dann die Wildheit des Knaben, dann die Thorheit des Jünglings, dann die Fehler des Mannes, dann die Furcht des Greises, bis du todt bist für die Erde, aber lebst für den Himmel! Schreite vorwärts! Schreite von Jahr zu Jahr, in Weisheit und Erkenntnis in Frömmigkeit und Tugend, und wie die Zeit nicht stille steht, stehe du nicht still, und wie die Zeit nicht rückwärts geht, gehe du nicht rückwärts!-