Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 146)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/7166791-9630800--1481-9623394- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
124 Familien, die in Armuth leben, was ihren Druck erst recht hart macht? Die Scham des falschen Ehrgeizes. Fraget den Verbrecher, was ihn in die Arme der Sünde geworfen? er wird euch oft, sehr oft zu anworten haben: der falsche Ehrgeiz. Fraget den Begüterten, was ihn, der schon genug besitzt, um ein ruhiges, gesegnetes Dasein zu verleben, zu unaufhörlicher Anstrengung, zu ewigem Ringen und Trachten bringet? Der falsche Ehrgeiz. — Der brennende Wunsch, geliebte Zuhörer, mehr zu sein als seine Genossen, so viel zu sein, als die etwas höher stehen, eine hohe Meinung von sich unter den Menschen zu verbreiten, durch Prunk und Tand zu glanzen; oder der noch falschere Ehrgeiz, der sich der Herrschaft anmaßen will über seine Erdenbrüder, über die Menschen, die doch alle gleich sind vor Gott und vor dem Tode: dieser ist es, welcher die Augen des Menschen blendet, welcher ihn sich, seine Familie, sein Heil im Jenseits, seinen Gott zu opfern antreibt. Würde doch ein Jeder gerade vor sich hinwandeln, den Pfad, auf den ihn der Allgerechte gestellt, die Kräfte gebrauchen, die ihm verliehen worden, mit den Gütern zufrieden sein, die ihm sein Fleiß ruhig verschafft, und nicht aus dem ihm angewiesenen Kreise zu schreiten versuchen — wie friedlich wäre die Menschenwelt. Der falsche Ehrgeiz! Denn den wahren kennen Wenige, erkennen ihn selten. Den Ehrgeiz, ein braver, rechtlicher Mann, eine brave rechtliche Hausfrau, ein frommer, gottesfürchtiger Israelit, ein wohlthätiger, barmherziger Mensch, ein guter Sohn, ein treuer Bruder und Gatte zu sein und zu heißen: den Ehrgeiz kennen wir selten, und beherbergen ihn selten in unsrer Brust. — Und so war es denn dieser falsche Ehrgeiz mit aller seiner finstern Leidenschaftlichkeit, der den Korach, den Leviten, beherrschte und ihn antrieb, sich gegen den Mann Gottes aufzulehnen, sich zu stellen, getrennt von der Mitte der ganzen Gemeinde. Und eine solche Trennung war denn auch seine Strafe. Denn, so wie er sich trennte von der Gemeinde, so befahl Moses der ganzen Gemeinde: Weichet von den