Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 142)
- Language
- German
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120 habe. Die heutige Sidra führt uns nämlich einen großen, schrecklichen Streit vor, der nicht im Namen des Himmels, der im Namen der finstersten Leidenschaft, aus der trübesten Absicht, um des niedrigsten Zweckes willen, geführt ward, den Streit Korach's, Dathan's und Abiram's und ihrer Rotte. Ich nannte diesen Streit schrecklich, und mit Fug und Recht; denn dieser betras nicht Speise und Trank, nicht Kundschafter und solche Dinge, wegen welcher die Israeliten öfters murrten, sondern den Umsturz der Religion galt es, der ganzen religiösen Einrichtung, die Mose auf Befehl des Herrn verordnet und geweihet hatte, und auf diese Weise der ganzen göttlichen Offenbarung. Vergebens sollte das große Werk sein, das unter so vielen Mühen bis hierher gediehen war, vergebens die Tage und Nächte, das Fasten und Beten und alle unendlichen Anstrengungen Mosis. — Israel sollte wieder in die Nacht des Aberglaubens, in den wilden, ungebändigten Zustand zurücksinken, aus welchem es eben erst herausgebracht worden, und um weffentwillen? um dem Ehrgeize eines Einzelnen und seines Anhanges zu genügen. Schrecklich war aber auch das Ende dieses Streites, der nicht bestehen konnte, denn auf eine noch nie gehörte Weise öffnete sich die Erde, und verschlang alle Theilnehmer dieses Streites. Die heilige Schrift, meine Freunde, wozu erzählt sie uns diese und solcherlei Vorgänge? Wäre es nicht besser, können wir fragen, sie verschwiege uns diese Flecken unsrer Ahnen, die, obgleich Zeugen so vieler Wunderdinge, und so oft, von diesen erschüttert, vollkommenen Gehorsam versprechend, dennoch eben so oft den Gehorsam brachen, und ihr Ohr, ihr Ohr, das Gottes Stimme vernommen und Mosis Stimme täglich vernahm, niedrigen Verführern liehen? Wie schön wäre es, wenn die heil. Schrift uns nur eine gerade Bahn der Offenbarung zeigte, wie diese gegeben und mit Jubel und Dankbarkeit angenommen worden. — Nein! andächtige Zuhörer, unsre heilige Schrift ist ein wahrhaftiges Buch des wirklichen Lebens, keines erträumten idealischen Lebens, son-