Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 100)
- Language
- German
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78 Wozu hast du sie auf diese Erde gesetzt, um ein solch' verworrenes Gemälde hervorzubringen, einen ewigen Knäuel zu schlingen, der niemals gelöst wird? Was ist unser Amt hienieden, unser Sollen, unsre Bestimmung auf Erden? Zu welchem Endzwecke werden wir von unsrer Geburt an mitten hinein in diesen Kampf, in diesen Streit der Mühen, Leiden, Leidenschaften gestürzt? — Endlich, Freunde, das seltsame Ende des Menschen — der stirbt in der Blüthe der Jugend, jener in der Kraft des Mannes, diesen überfällt der Tod beim Beginn seines Werkes, jenen in der Mitte der Arbeit, selten läßt er den Menschen vollenden, was er gewollt — der Eine begräbt seine Eltern, Brüder und Kinder, und bleibt einsam zurück, der Andre hinterläßt eine trost- und hülflose Familie, deren Haupt er war. Wahrlich, geliebte Zuhörer, es ist Nacht um uns, eine düstere, stürmische Nacht, und was vermag uns hier Licht zu bringen, was vermag uns dieselbe zu erhellen? Andächtige Gottesgemeinde! Wenn wir das Leben also ängstlich betrachten, wenn die Schatten in unsrer Brust sich aufrichten, und also fragen, wenn wir an die Pforten des Himmels klopfen, und fragen: warum hast du uns entsendet auf die unfreundliche Erde? wenn kein Strahl der Freude die trübe Dunkelheit um uns erleuchtet: da wird das Wort Hosea's wahr, das da lautet: wie die Morgenröthe gehet der Begriff des Herrn auf, 2W2 812^1 er kommt wie ein sanfter Regen über uns, w'^^22 wie Spätregen die lechzende Erde tränkt. Ja, geliebte Israeliten, die Erkenntniß des Herrn, die Erkenntniß des Ewigen, des Allgütigen droben, des Barmherzigen, des Gnadenvollen, diese Erkenntniß ist die Bestimmung des Menschen auf Erden. Um den Herrn zu erkennen, ward er auf diese Erde gesetzt, um seinen himmlischen Vater zu erkennen, muß er die Prüfungen des Lebens bestehen, darum muß er Mühen und Leiden über sich nehmen, darum muß er