Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 99)
- Language
- German
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77 So hat der Herr, geliebte Brüder und Schwestern, den Menschen aus den Pforten des Schlummerlandes in das Land des Lebens gerufen, so ruft er ihn unzählige Male zurück von den Pforten des Todes, denen er schon nahe stand — oft haben die Menschen schon die Hoffnung aufgegeben, oft pocht nur noch leise, leise der Schlag des Herzens drinnen, die Lebensflamme ist dem Erlöschen nahe, die Glieder versagen den Dienst, der Todesengel rauscht schon zu Häupten des Erdensohnes — da sendet noch einmal der allmächtige Herr des Lebens seinen Hauch in den Sterbenden, und siehe! er ist wieder erstanden, sein Körper blühet noch einmal frisch zum Leben auf, der Pilgerftab ist ihm noch nicht entfallen, er wandert weiter in das Leben hinein. Da dränget sich denn gar ernst die Frage auf: Was ist dies? was soll dies? Was hat es mit diesem Leben für eine Bewandtniß? 82 ">171 7'l7 ein Geschlecht gehet, ein Geschlecht kommt — warum und wozu kommen sie, die Geschlechter der Menschen, die unzähligen Erdensöhne? Sehet — in jeder Sekunde, die wir hier stehen, und ernst und würdig an das Leben denken, stirbt ein Mensch, und wird einer geboren. N17 71127 N2N siehe das ist ein Haschen nach Wind, fürwahr! es ist dunkel, meine Freunde. Und blicken wir nun in das Leben selbst hinein: welche Verwirrung stellt sich uns dar! Die Einen streben und ringen nur nach Erlangung irdischer Güter, die Vergrößerung des Vermögens ist ihr Ziel; die Andern wissen Nichts als die Befriedigung ihrer Nahrungsbedürfnisse, und die Sorgen um ihr Brod beschäftigen sie ganz und gar — ist dies der Zweck des Lebens? Viele bemühen sich allerdings, ihre Kenntnisse zu vermehren, aber ihr Sinn ist dem Himmlischen abgewandt, mit eiteln Dingen verbringen sie ihr ganzes Leben. Nun treten die Leidenschaften hinzu, und der Eigennutz, die Ehrsucht, die Begierden kämpfen mit der Religion, mit der Pflicht, und — siegen. Da wird denn unser Blick trübe und dunkel. Was wolltest du, Schöpfer, mit deinen Menschen, mit deinem Ebenbilde?