Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 71)
- Language
- German
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L9 Mitte seine wahrhafte, vollkommene Lehre gelegt, auf daß wir ihn'erkennen, ihm nacheifern, unfern Geist zu den Sternen erheben, unser Gemüth zum Himmel aufrichten sollen? Hat er nicht seine Gesetze uns auferlegt, damit wir seiner nicht vergessen, in keinem Augenblicke des Lebens vergessen, Enthaltsamkeit üben, Entbehrung lernen, Rechtlichkeit vollführen, Liebe üben sollen? Aber die Gaben der Natur vernachlässigen wir, und seine Lehre verschmähen wir, und seine Gesetze lassen wir unbeachtet. Darum gibt es der Gefallenen so viele, unter den Menschen und unter Israel, und Einer stürzet auf den Andern. Diese Worte des Propheten, meine Freunde, und die Bemerkungen, die ich daran geknüpft, wozu ste heute? Freilich, wir Menschen wissen, daß wir nicht die sind, die wir sein sollten, wir Israeliten wissen, daß wir weit und oft vom Wege abirrten und abirren, den der Herr zu wandeln uns vorgeschrieben: das wissen wir, aber wollen es nicht wissen, wir drücken es hinab in die untersten Räume des Bewußtseins, in die dunkelsten Kammern des Gedächtnisses, damit der Gedanke, den Zweck des Lebens verfehlt zu haben, nicht heraufsteige in Mitten unsrer Freuden und Genüsse, auch nicht in Mitten unsrer Leiden und Unglückssälle, wo er der letzten Kraft uns berauben würde — also wozu jene Worte und Gedanken? Wie aus einem hohen, ewigen Felsen die flüssige Quelle hervorspringt und ihre flüchtigen Wellen bald mehr, bald weniger ergießt, so, meine Zuhörer, fließen meine Worte aus unsrer heiligen Thora hervor. Die Thora des Herrn ist der ewige, erhabene Felsen, der nimmer wankt von seinem Orte, der die Jahrhunderte vorübergehen sieht, ohne zu verfallen und abzunehmen; meine Worte find der murmelnde Quell, der aus dem Felsen entspringt und sich weit durch die Fluren zieht; wer weiß, wie bald sie versiegen — aber wer den Schatten des Felsens sucht, kann sich auch an dem Wasser des Quells kühlen und laben. — Also fließen auch heute meine