Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 61)
- Language
- German
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39 Gottes zu wenig in dem Geiste und Herzen der Menschen wurzelt, zu wenig wahrhaft in ihnen lebt und wirkt. — Schon das zarte Kind erfährt den Namen: Gott; mit dem Namen Vater lernt es auch schon den Namen Gott, Vater im Himmel stammeln. Aber es bleibet beim Stammeln dieses Namens bei den meisten Menschen während des ganzen Lebens. Sie kommen nicht darüber hinaus. Sie wissen wohl, daß es ein göttliches Wesen da droben gibt, allmächtig und weise; sie wissen wohl, daß er unsere Thaten kennt und richtet, lohnet und strafet — aber dieser Gedanke, dieses Wissen fliegt vor ihnen vorüber, gleich einer leichten Wolke im Sturme; sie halten ihn nicht fest, sie hegen und pflegen ihn nicht, sie lassen sich nicht von ihm in Besitz nehmen, nicht von ihm beherrschen, nicht von ihm leiten und lenken; dieser Gedanke wäbrt nur einen Augenblick, dann ist er vergessen, geschwunden, vorüber, und — das Leben bestehet aus vielen Monaten und Jahren. — Wer den Begriff der Gottheit wahrhaft in sich ausgenommen, ihn durch alle Gänge und Krümmungen des Herzens und Geistes gesendet-und ausgedehnt, wer in dem Gedanken an Gott lebt und webt und strebt, ihn immer reiner, erhabener zu fassen und zu verstehen sucht — der stehet felsenfest. Alle Verlockungen von Gewinn und Genuß fließen spurlos von ihm herunter, wie die Regentropfen vom Felsen; alle Stöße des Mißgeschickes prallen von ihm ab, wie von der unerschütterten Klippe die Brandung; wie sein Vater im Himmel will er gerecht sein und heilig, fehllos und vollkommen, liebevoll und barmherzig, sein Weg geht gerade, sein Werk ist rein, der Friede wohnt in ihm und um ihn. Meine Brüder! Ich glaube, ihr Alle fühlet mit mir, daß ich Recht habe, daß ich Wahrheit gesprochen. Nicht die Religion trägt die Schuld, sondern wir tragen sie; nicht die Religion ist mangelhaft, sondern wir lassen sie mangelhaft in uns; vergebens ruft der Herr unzähligemale, vergebens ruft er auch in der heutigen Sidra aus: 2715^1 ^8 ^2 Ihr sollt erkennen, daß ich der