Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 30)
- Language
- German
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8 Wie der Herr ernähret die ganze Welt, so ernährt die Seele den ganzen Körper. Und so lange er anfüllt, der Allsehende, der Unsichtbare, das Weltall mit seinem Willen, und so lange sein lebendiger Odem wohnet in demselben, in allen Geschöpfen und Wesen, den größten und den kleinsten — so lange gebt kein Sandkorn zn Grunde in der unermeßlichen Fülle, kein Luftbläschen wird Nichts in der unendlichen Menge! So rollen denn die Sterne ihre ewigen Bahnen, und die Sonne ihre angewiesene Laufbahn, und das Meer steigt und fällt für und für, und die Ströme brechen hervor ohne Unterlaß aus den Höhlen der Berge, und aus der Erde sprießet auf Saat und Baum, und sie trägt Thier und Mensch. Und Pflanz und Thier, wenn sie ihre Zeit verlebt, werden Asche, aber aus der Asche keimt es neu herauf, und wandelt wieder den Kreislauf des Lebens durch — denn der Herr erhält Alles nach seinem allgüligen Willen! Er ist die Quelle des Lebens und die Erhaltung des Lebens! Und so senkte er auch hinein in die staubige Hülle des Menschen eine Seele, die den Staub belebt, erhält und ernährt. Sehet, wie künstlich dieser Leib gebaut ist: — da gehet ein und aus abwechselnd der Odem, da rollet das Blut durch alle Theile zu den äußersten Grenzen und zurück nach dem Herzen, dem Mittelpunkte, da gehet ein und aus Speise und Trank und geben ihre Theile dem Körper, da wechselt der Schlaf mit dem Wachen, daß der Müde stark werde, und die Ruhe komme nach der Arbeit, und ein Glied ist zum Sehen, und ein Glied zum Hören, und ein Glied zum Schmecken, und ein Glied zum Fassen, und ein Glied zum Schreiten, und alle Glieder greifen in einander in vollkommenster Einheit, und thun ihre Pflicht zu ihrer Zeit, und deuten, wie der Psalmist singt, die Größe ihres Schöpfers an. Und wie geboren wird der kleine Mensch, wächst er heran bis zu seiner Höhe, und wird stark und kräftig, daß er die Last des Lebens ertrage, bis die Zeit kommt, wo die Kraft abnimmt und der Mensch wieder schwach wird und in