Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite IX (sequence 11)
- Language
- German
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ist seitdem zwanzig Jahre alter geworden. Es hat sich Vieles geändert. Von der einen Seite bat das Formwesen, hat das jüdische Formwesen extensiv von Tag zu Tage an Existenz verloren, und sich dennoch als unentbehrlich erwiesen. Denn abgesehen von der Wucht des Bestehenden, die in den jüngsten Jabren so außerordentlich sich erkennbar gemacht, hat es sich abermals erwiesen, daß die Lehre von sich aus eine neue, und sei es noch so umschränkte Form, nicht zu schaffen vermag — weil sie dies ihrer Natur nach gar nicht vermag — daß selbst die vorgeschrittenste Reform Alles, was sie an Form bat, vom alten Judentbume nehmen muß, nicht etwa um mit diesem noch einen Rest von Zusammenhang zu haben, sondern weil sie sonst aller Form bar, in der sie in die Erscheinung treten konnte. Eine völlige Regeneration kann nur Werk von Jahrhunderten sein. Von der andern Seite bat die ganze Richtung der Zeit, bat die wieder einmal bis zur Stufe der Selbstauslösung, Selbftzersetzung angelangte Philosophie (wie schon einmal in der griechisch-römischen Zeit,) bat die eben mit unendlich vielen Entdeckungen bereicherte Naturwissenschaft durch die ungeheure Verwirrung, die sie über alle alte Ansichten gebracht, und durch die tiefere Einsicht, die sie in das Getriebe des Materiellen eröffnet bat, wieder einmal die Anschauung des Sinnlich - Wahrnehmbaren so sehr über das Geistig-Erkennbare hinausgestellt, (wie sie dies jedesmal thut, so oft bei ihr eine neue Zeit der Entdeckungen eintritt) — daß die Lehre so einen zwiefachen Kampf zu bestehen, der freilich nur zu ihrer Läuterung, Erstarkung und Vertiefung gereichen wird, der aber augenblicklich den Horizont mit Sturmwolken verdüstert. Diese, wenn auch ganz regelrechte Entwickelung der Dinge giebt den Pro-