Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 23-24 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 372 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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372 JUNG ISRAEL viele Ähnlichkeit haben. Denn einmal verändern sich diese morgenländischen Ansiedelungen unendlich langsamer als unsere europäischen, in fortwährender Umwandlung und Vervollkonunnung befindlichen Orte, fodann ergibt sich ja aus der Rolle, die Jaffa von jeher als Hafenplatz spielte, das; wenigstens die Hauptsache in dem anziehenden Gemälde, das bunte Völkergemisch, auch ehedem schon vorhanden war, „Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien und in Judäa und Kappadozien, Pontus und Asien Phrygien und Panrphilien, Aegypten und an den Enden der Libyen bei Cyrene, und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber" die Straßen füllten. — Wir haben kaum unseren Fuß ins Gelobte Land gesetzt und doch mit denn eben flüchtig besichtigten Orte bereits eine recht denkwürdige biblische Stätte kennen gelernt. Wir erinnern uns aber, daß uns auf unserem Dmnpfer damals, als die geweihte Küste zuerst in Sicht kam, noch etwas anderes unwillkürlich in die Augen fiel, die unermeßliche, ebene, grüne Fläche, welche sich rings um das hellschinnnernde Städtchen ansdehnte. Nun auch sie spielt eine wichtige Rolle in der Heiligen Schrift, und darum müssen wir sie uns ebenfalls etwas mehr ans der Nähe betrachten. Wir verlassen Jaffa in nördlicher Richtung. Kaum haben wir die letzten Häuser hinter uns gelassen, so befinden wir uns auch schon in einein wahren Paradiese, dessen zauberische Natnrpracht uns nach der Wanderung durch die wenig einladenden Gassen des armseligen Hafenortes doppelt entzücken wird. Rechts und links von dem Wege dehnen sich weithin, geschützt von hohen, blühenden Kaktushecken, Gärten ans, in welchen majestätische Palmen ganze Haine bilden, an dicht bebuschten Weinstöcken Trauben von einer uns hier noch nicht vorgekommenen Größe niederhängen, goldfarbene Orangen zu Tausenden aus denn Laube stattlicher Bäume schimmern, Bananen, die Kinder der heißesteil Zone mit ihren airsehnlichen Blättern und in Büschel zusammengedrängten gurkenartigen Früchten in langen Reihen stehen und zahllose grellgefärbte, leuchtende Blumen, die für uns Abendländer zunreist Fremdlinge sind, derr Boden in einen bunten Teppich verwandeln. Ja, wie denn? Befinden wir uns wirklich rroch in dem Bereich des so vielfach als öde und unfruchtbar verschrieenen jüdischen Landes, oder sind wir plötzlich nach denr Wnnderlande Indien versetzt worden?