Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 23-24 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/9620171-9626617-9623135--1935-9623158- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JUNG ISRAEL 371 Der ertte Schritt auf heiliger €rdc. (Schluß.) Das Malerische dieses merkwürdigen Straßenlebens noch zu erhöhen, flutet von Früh bis Abend zwischen den solchergestalt völlig offenen Werkstätten ein ununterbrochener Menschenstroln f)in und her, der sich aus den Vertretern der verschiedensten Gattungen von Leuten zusammensetzt. Da drängen sich durcheinander halb nackte Bäckerjnngen, welche die mit lautem Geschrei angepriesenen Waren in Körben auf dein Kopfe balanzieren, Wasserträger, die gefüllten, tropfendeil Schläuche allS Ziegenfell auf denn Rücken, singende und länuende Niatrofen aus dem Hafen ll. a. Das lebhafte, an einen Jahrmarkt erinnernde Gewühl hindert aber nicht, daß unmittelbar daneben in schützender Ecke oder hinter einem Mauervorsprung bettelnde Krüppel oder im schroffen Gegensatz zu dieser erbarmenswerten Dürftigkeit Geldwechsler hocken, welche ihre blanken Münzen in der Absicht, die Vorübergehenden anzulocken, an einem am Boden ansgebreiteten Tuche klirrend durcheinander rollen lassen. Dabei sind in dieser seltsamen Gesellschaft nicht nur alle möglichen Bernfszweige, sondern auch die verschiedensten Hinnnelsgegenden unb Völkerschaften vertreten. Barhäuptige, krausköpfige Reger vom nahen Aegypten tauchen auf neben blondhaarigen Söhnen Britanniens, sonnengebräunte, fast ganz in ihren weißen Flanellburnussen verschwindende Beduinen ans der Wüste, denen oft wahrhaft endlose Karawanen von Kanrelen folgen, dazu viele Juden, Türken, Priester in verschiedensten Trachten, daß es schier nicht anders scheint, als ob hier zwei Erdteile sich ein Stelldichein gäben. In solcher Weise tritt uns das Joppe der Gegenwart vor Augen. Run, es mag wohl sein, daß in diesem Städtebild manches ist, was erst der Neuzeit entspringt. Gleichwohl aber dürfte doch dasselbe mit der Erscheinung des Joppe vor 2000 Jahren und darüber noch