Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 23-24 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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368 JUNG ISRAEL JVIar tlkba. (Eine Geschichte aus dein Talmud.) M ai Ukba wohute uebeu einem gelehrten armen Manu, der lieber ein elendes Leben führte, als zum Almosen Zuflucht zu nehmen. Der wohltätige Mann gewöhnte sich, jeden Tag in das Haus des Bedürftigen eine Münze durch eine Oefsnung in der Tür zu werfen, ohne gesehen zu werden. Der Arme, erfreut über dieses beständige Almosen, hatte großes Verlangen, seinen Wohltäter kennen zu lernen und beschloß, eines Tages aufzupassen, um ihn zu entdecken. An jenem Tage war der Gelehrte etwas länger als gewöhnlich in: Lehrhause geblieben, und sein Weib ging ihm entgegen. Beim Nachhansegehen konnnen sie an dem Häuschen des Armen vorbei, und lene auf der Fußspitze nähern sie sich der Türe und werfen die Münze hinein. Der andere, der aufpaßte, reißt die Türe auf, um zu sehen, wer es sei, und jene zwei ergreifen beim Knarren der Angeln die Flucht. Ter Empfänger der Wohltaten stürzt ihnen nach, die Straße einschlagend, aus welcher er den Tritt ihrer Füße vernahm. Ta die andern sehen, daß man ihnen folgt, beschleunigen sie ihre Schritte, — der Arme immer nach. Endlich an einer Biegung verstecken sich die beiden Eheleute in einen noch warmen Backofen, nicht achtend auf die Hitze, die sie belästigt, froh, dein Blicke ihres Verfolgers entzogen zu sein. Und warum, fragt ein Weiser, warum solche Mühe, sich zu verbergen? Weil es besser ist, sich in einen brennenden Ofen zu werfen, als seinen: Nächsten Anlaß zu geben, öffentlich beschämt zu werden.