Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 23-24 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 365 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNG ISRAEL 365 weitere Allnäherung noch durch eine ganze langgezogenc Kette rauher, schwarzer Felsblöcke verhindert, die ans der feuchten Tiefe emporragen und um welche das Wasser ununterbrochen mit großem Getöse schäumt und siedet. Wir müssen uns, uni wieder festes Land betreten zu können, den Booten anvertrauen, welche von muskelkräftigen Schifferskncchten unter lautem Geschrei und lebhaften Bewegungen aller Gliedmaßen herangerudert werden. 9citr diese im Lande geborenen Leute verstehen es, die enge Oeffnung in dem von der Natur aufgerichteten Stachelzann — wie man jene schlinnne Reihe von Klippen nennen könnte — zu finden, durch die allein der Zugang zur Küste möglich ist. Freilich mitunter, namentlich im Frühjahr und Herbst, wo in diesem Teil des Mittelländischen Meeres furchtbare Stürme zu hausen pflegen, sind oft selbst jene verwegenen halbschwarzen Gesellen außer stände, sich durch die reißenden Wirbel bis zu dem draußen ankernden, gleichfalls von der erregten Lee wild hin und her geworfenen Schiffe und zurück durchzukämpfen. Dann müssen die bedauernswerten Reisenden, welche das Land, nach dem sie so heiß verlangten, bereits dicht vor sich sahen, wieder weiter dampfen, um an irgend einem anderen Punkte der Uferlinie ihr Heil zu versuchen, wobei ihnen natürlich ein bedeutender Verlust an Zeit und Geld erwächst. In den meisten Fällen aber erzwingen die wenig nur ihr Leben besorgten rauhen Bootsleute doch die Fahrt auf die aufgewühlten Wasser hinaus lind bringen es wohl auch fertig, dort draußen die angekomlnenen Fremden über die schwankende Schiffstreppe herab in ihre voll den Wogen unaufhörlich auf und nieder geworfenen Nachen einzuladen. In dieser Weise lvird die alte Wahrheit, daß Großes und Schönes nur auf hartem, schwerem Wege zu erreichen ist, von neuem bestätigt, und fast könnte mcm glauben, daß eine höhere Hand absichtlich solche Schwierigkeiten vor den Toren Palästinas auftürmte, damit jedermann, der dahin konnnt, nicht leichtsinnig und stolz, sondern ernst und demütig bcn geweihten Boden betrete. Nun, was uns betrifft, so können wir Gott danken, denn wir haben blauen Hinnnel und stilles Meer. Darum folgen wir furchtlos den arabischen Schiffern in ihre Kähne. Immerhin werden auch wir erleichtert aufatmen, wenn wir endlich wieder festes Erdreich .unter unseren Sohlen versviiren.