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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 21 (1905) · p. Seite 323

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
21 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 323 (sequence 7)
Language
German
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JUNG ISRAEL 323 Bar JVIizwa. Bon Ludwig Philippsohn. Die Nacht hatte ihren sternbesäeten Mantel um die Erde geschlagen. Es war eine heilige Ruhe gebreitet über Flirr und Stadt, Es war eine Nacht vorrr Freitag zürn Sabbat. Da ging der Helle Vollmond arif und schien durch die spinnwebbedeckte Scheibe eines kleinen Fenüerchens in eine Dachkammer. Darinnen tvar's still und feierlich, und nur das leise, süße Odernschlürfen der Jugend, wenn sie schläft, hätte man hören können. Aber es war niemand daselbst, außerdem Knaben, der auf dem Bette ansgestreckt lag und schlummerte. Stille, Mondesstrahl und der schlafende Knabe. Sein Haupt lag auf einer Fülle schwarzer Locken, die sich inr Nacken wie ein Kissen ballten. Es ist die Nacht vor denr Sabbat, der auf seinen dreizehnten Geburtstag folgte, und da er am andern Morgen vor der versammelten Gemeinde an geweiheter Stätte zmn ersten Male den Segensspruch auf das Kleinod seines Stammes und der ganzen Menschheit, auf die pergamentene Rolle der Tora sprechen und bamit die Pflichten eines jüdischen Mannes übernehmen soll. Schlummre nur, träume nur, — cs sind schwere Pflichten, große Kämpfe, die eines rechten jüdischen Mannes, und wem viel gegeben ist, der soll noch mehr zurückgeben.. . Niemand ist da außer dem schlafenden Knaben. Doch siehe, da kommen sie. Die Tür öffnet sich nicht, das Fensterlein klirrt nicht, aber sie kommen, und beim Pollmondstrahl, da die Glocke Zwölf schlägt, in der Sabbatnacht vor der "Bar-Mizwa" kann man sie schlürfen sehen, kann man sie flüstern Horen. . . . Sie kommen. Viel Männer, viel Frauen. Es sind die Väter, Großväter und Urgroßväter, es sind die Mütter, Großmütter und Urgroßmütter, die da kommen und eintreten,ohne daß das Fenster klirrt oder die Tür aufgeht, in dieser Nacht vor der Bar-Mizwa". Sie sammeln sich um das Bett des Knaben, der am andern Morgen den Segen sprechen soll auf das Sepher . . . Siehe, da teilt sich der Haufe, und heran tritt der Ahn des Hauses — Jahrhunderte deckt die Erde seine Gebeine schon. Eine hohe hagere Gestalt, mit langem grauen Seidenkaftan angetan, einen dunkel-' grünen Bund um den Leib gegürtet, eine hohe Pelzmütze aus dein

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