Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 20 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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310 JUNG ISRAEL einen heiligen ftrieci, lveil er der Verteidigung des Vaterlandes galt, dem sich daher niemand entziehen dürfe. Darum treietf auch die Bern fnnq des Barak den Charakter eines höheren Entschlusses, einer unmittelbaren Weisung Gottes. Das anfänglich unentschlossene Auftreten dieses erkorenen Kriegshelden erklärt aber nicht allein diebereits geschilderte Lage der Stämme, sondern legt zugleich das beredteste Zeugnis ab von der hohen Meinung, welche man von der Prophetin hatte. Teborah wird als der Schuhgeist angesehen, unter dessen Obhut das so schwere Unternehmen gelingen müsse. In der Tat muß ihr Erscheinen ans der Kampfesstätte einen gar gewaltigen Eindruck gemacht haben. Die bis dahin wankelmütig gewesenen, unentschlossenen Stämme konnten nicht länger in ihrer Zurückhaltung verharren; sie rafften sich zu einer heldenmütigen Verteidigung des so hart bedrückten Vaterlandes ans und kämpften Löwen gleich. Der Kamps aus dem Berge Tabor muß ein furchtbar zerstörender gewesen sein, denn der Feind ward gänzlich vernichtet. Sein Feldherr floh, die Kriegsgeräte als Siegesbeute znrücklassend. Die Prophezeiung der Deborah sollte sich an ihm in erschreckender Weise erfüllen. Ein kenitisches Weib, dessen Volksstamm von jeher mit Isreal in Freundschaft lebte, Faäl, lud den totmüden, ans der Flucht begriffenen feindlichen Feldherrn in ihr Zelt ein, labte ihn und bereitete ihm ein Lager. In einen tiefen Schlaf war der von Angstschweiß triefende Krieger gefunken - da ergreift Jaöl den Zeltennagel, versetzt dem Schlafenden einen gewaltigen Stoß in die Schläfe, so daß er alsbald im Todeskampfe verscheidet. Durch die Hand dieses mutigen Weibes war der so gefürchtete Häuptling gefallen. Dem ihm nacheilenden Barak konnte Iaäl triumphierend zurnfen: „Komm, ich werde dir den Mann zeigen, den du fuchst!" Diese meuchelmörderifche Tat der Kenitin, so vernrteilenswert sie auch an sich gewiß Ut, muß hier, wie sehr sich auch unsere Begriffe von menschenwürdiger Behandlung und Schonung des Feindes dagegen sträuben mögen, dennoch als eine Rettung angesehen werden, zumal in einer kriegerischen Zeit, wo die Pflicht der Selbstverteidigung an jeden Einzelnen mit gebieterischer Gewalt herantritt. Andererseits wird die Abwendung einer Gefahr für die Gesamtheit geradezu als ein Gebot der Menschenliebe angesehen. In einer Lobrede auf die israelitischen Frauen bemerkte einst der geistreiche Adolph Erömieur