Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 19 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNG ISRAEL 303 Zur Rettung eines in Lebensgefahr schwebenden Tieres durfte selbst am Sabbath manche Vorkehrungen getroffen werden, die das Gebot der Sabbathruhe sonst nicht gestattete. Sinnend, erzählt uns die Sage, sah einst Moses gestützt auf seinen Hirtenstab, den einst der Urahn Adam bei seinem Scheiden aus dem Paradiese von einein Banine gebrochen als Erinnerungszeichen an ein hingeschwnndenes paradiesisches Leben, und überschaute die Herde des Jethro, die er da weidete in der Wüste. Plötzlich erhob sich ein Lämmchen ans der Herde und eilte schnellen Laufes davon. Erstaunt und ängstlich setzte der Hirte dem Flüchtling nach, vermochte cs aber nicht eher zu erreichen, bis es an eine Quelle gekommen ist, aus dessen klarem Wasserspiegel es seinen brennenden Durst löschte nnd von seiner Ermattung sich erholte. „Armes Tierchen," rief Moses, „wusste ich doch nicht, das; quälender Durst dich getrieben, die Herde zu verlassen nnd dem Hirten zu entrinnen! Wie bist du doch ]‘l müde!" Alsogleich ergriff er das Lännnchen, drückte es ans Herz nnd trug es liebkosend zur Herde.zurück. Und wie er so ging, vernagln er eine himmlische Stinnne, die sprach: „Mose! Mose! Du hast mit Liebe des Verirrten dich angenommen, in deinem Herzen wohnt Mitleid, du bist ein treuer Hirte, du sollst eine andere Herde weiden, du sollst mein Hirte sein, mein Volk Israel weiden." Und wieder erzählt die Sage: Als einst ein Kalb zur Schlachtbank geführt ward, habe dasselbe sich zum Rabbi Juda, der vor der Tür gesessen, geflüchtet, den Kopf in dessen Schos; gelegt und bitterlich geweint. Rabbi Inda aber, kein Mitleid fühlend, sprach: Geh hin, denn dazu bist du geschaffen. Da habe sich eine Stimme vom Himmel vernehmen lassen, die da sprach: weil er so unbarmherzig war, soll er mit Krankheit behaftet werden. Dreizehn Jahre lang lag hieraus R. Juda in schweren Leiden darnieder. Als aber nach diesen dreizehn Jahren seine Magd das Hans gekehrt, da habe sie ein Nest mit Wieseln gefunden und mit auskehren wollen. Da habe ihr Rabbi Juda zngerufen: Schone ihrer! denn es steht geschrieben: der Herr erbarmt sich aller seiner Werke. Rlötzlich sei nun wieder die Himmelsstimme ertönt: Weil er mitleidig ist, so soll es ihin wohl ergehen! Zum Schlüsse noch eine ähnliche Sage, die uns Herodot ll. 169) ansbewahrt hat. Als ein gewisser Aristodikns die in dem Tempel zu Kmnä befindlichen Vogelnester zerstörte und die Jungen herausnahm, soll ans dem Innern des Tempels eine Stimme die Worte gesprochen haben: Verruchtester der Menschen, wie kannst du solches wagen, die Zuflucht bei mir sucheil, aus dem Tetnpel zu vertreiben? -an-