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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 19 (1905) · p. Seite 297

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
19 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 297 (sequence 15)
Language
German
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JUNG ISRAEL 297 hohen Stand ans mit Schneebällen bewarfen, verdroß ihn das nicht. Nur Diebe, die vertrug er nicht gut, das erlaubte sein Amt als Haushüter nicht; die hielt er dann wacker mit seinem spitzen Stachel draht fest, bis sie Fersengeld gaben. Auf Liebkosungen machte der Torflügel bei alledem keinen Anspruch. Warum denu auch? Ein Schutz für das Haus uud ein Wegöffner'für seine Insassen zu sein, das war ja seine Bestimmung, dazu war er ja geschaffen worden. Wer mochte denn bei einem so selbstverständlichen Tun Lohn erwarten oder verlangen? Wer mochte überhaupt, wenn man so seiner eigensten Natur folgeu konnte, um des Lohnes willen dienen, hatte man auch alle Stangen voll bis tief in die Nacht hinein zu arbeiten? Tief in der Nacht freilich wars üjm nicht eben einerlei, wenn man ihn weckte. Schließlich nnlßte man doch auch nach vollbrachten Tagewerk seine Nuhe haben, und da kams sehr darauf an, wer ihn weckte, wenn inan so aus dem besten Mitternachtsschlummer gestört wurde. Ja, wie das Töchterlein des Hausherrn geheiratet hatte, und die Eltern in reiner Heiterkeit von der Hochzeit heimgekommen waren, beglückt davon erzählend, was für einen tapfer-fronunen Schwiegersohn sie erworben hatten, ja, da machte es ihn: nichts aus, daß sein Schlummer unterbrochen wurde. Hub auch wie die Großnmtter mit eiligen Schritten dahertrippelte, der Torflügel wußte nicht wozu, unb am anderen Morgen ungewohnte-ö Helles Kindergeschrei bis zu ihm herunterdrang, da lachte er nur vergnügt nt sich Hittein, schwang sich hin und her und erteilte nachträglich großntiitig Verzeihung. Wenn aber so ein hochttäsiger Junge, der ttoch vor kurzeut die Schulbank gedrückt hatte, vottt Cafehaus so spät ttach Hause ging, dann sträubte er sich ungehalten nttd kartete einmal sogar mit seinem Herzen, bcm Schloß, ab, es solle störrisch sein ttttb sich unter keiner Bedingung aufbringen lassett. So war er sein Lebtag geweseit, stets gelassen, stets lustig, stets bedacht. Das Vorwärtsdrängen dttldete er nicht, obs nun feine Kleider waren, die ihn streiften, oder zerrissene Lumpen. Jntmer lachte eitts nach bcm andern, nicht zu viele auf einmal herein, und wer zuerst kontntt, dent gebührt der Vortritt, ttttb wem der Vortritt gebührt, der soll ihtt haben. Uttversehens, wettn zartes Stoßen nichts half, schob er sich zwischen allzu Kecke itttb Hastige und — schwapp! schlug er ihnen vor der Nase zu.

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