Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 19 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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294 JUNG ISRAEL Brief aus Palästina. Liebe Kinder! Wir sind zur Weinlese nach Rischon gefahren. Die Weintrauben werden durch die Kellerfenstcr hinab geworfen. Wenn man die Trauben durch die Fenster wirft, fallen sie nicht auf die Erde, sondern in große Holztrichter. Bon den Trichtern fallen die Trauben in die großen Maschinen. Darin werden sie ansgepreßt. Wenn der Wein ausgepreßt ist, dann fließt er in die Röhren. Mit großen Pumpen wird er in die Höhe getrieben und rinnt in die großen Fässer, die dort festgenagelt sind. Sie haben Krahne. Wenn man an den Krahnen dreht, fließt der Wein heraus. Da gibt es aber auch viele kleine Fässer, die füllt man und schickt sie nach Europa und sonst überall hin, wo man Wein ans Palästina verlangt. Auf dem Rückweg sind wir in die Weingärten gefahren. Wir haben einen leeren Korb mitgenommen, den wir dort mit den prachtvollen Weintrauben füllen wollten. Morgens um 4 Uhr stehen die Arbeiter ans. Wenn sie sich angezogen haben, dann gehen sie in die Weingärten, füllen die Wagen mit Weintrauben und bringen sie nach dem Keller. Die Trauben werden nicht nur von Rischon, sondern werden von vielen Kolonien gebracht. Hier hatte ich noch niemals bis jetzt Weintrauben gepflückt. Wenn man die Trauben selbst pflückt, schmecken sie viel schöner, als wenn man sie sich pflücken läßt. Ich wollte garnicht aus dem Weingarten heransgeheu, weil es mir dort zu gut gefiel. Aber wir mußten doch nach Haus fahren. Nachher wurde ich auf einen Esel gesetzt und ich ritt bis an den Wagen. Auf dem Rückwege habe ich sehr viele Kameele und Schafe gesehen, auch sehr schöne Pferde. Auf den Pferden reiten sehr starke Männer, die heißen Beduinen. Sie ziehen immer in der Wüste umher mit ihren Herden. Im Wagen haben wir Trauben gegessen, die uns sehr gut geschmeckt haben. Schönen Gruß Eva M i r j a m, Jaffa.