Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 18 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 284 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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284 JUNG ISRAEL folgen vermochte. Moses kannte dies Land, in dem er so lange als Flüchtling geweilt; es kam nur darauf an, ihn von dein Nahen des Feindes zu unterrichten. So betraute er denn einen seiner Spielgefährten vom Stamme Benjamin mit der' Botschaft, und dieser hatte es nicht mehr allzuweit bis an das rettende Ufer. Er selbst aber blieb zurück, um die nahende Heerschar weiter zu überwachen; denn schon hörte er, ohne sich zu bücken oder zu lauschen, und trotz des Sturinwindes, der ihn umbrauste, das Rasseln der Räder und das Wiehern der Hengste. Tie Aussätzigen aber, denen es gleichfalls ans Ohr klang, jannnerten und klagten und sahen sich schon zu Boden geworfen, überfahren oder in das kalte Wogengrab gedrängt, denn der Weg war enger geworden, und das Meer schien das preisgegebene Land nuinnehr ernstlich zurückgewinnen zu wollen. Mensch und Vieh konnte nicht mehr in so breiten Reihen vorwärts, wie früher, und während sich die Glieder der eilenden Scharen zusanunenzogen, verlängerten sie sich, und kostbare Zeit ging verloren. Tie zur Rechten wateten bereits durch das vordringende Wasser — hastig, angstvoll; denn schon hörte mail von fern die Kommandorufe der ägyptischen Führer. Doch die Feinde mußten wohl ausgehalten werden, und Ephraim erkannte leicht die Ursache der verminderten Schnelligkeit des Gegners; denn der Weg ward immer weicher, und die schmalen Räder der Streitwagen mußten wohl tief in ihn einschneiden und vielleicht bis an die Achsen in ihn versinken. Geschützt von der Finsternis, schlich er sich, soweit es anging, an die Verfolger heran und vernahm hier einen Fluch, dort den grimmen Befehl, die Geißel kräftiger zu gebrauchen; endlich aber hörte er deutlich, wie ein Führer dem Nebenmann zurief: „Verdammter Unsinn! Hätten sie uns nur vor Mittag ausbrechen lassen und nicht abgewartet, bis man die Vorzeichen geprüft und den Anna mit allen Feierlichkeiten an die Stelle des Bai gesetzt, es wäre ein leichtes Stück Arbeit gewesen, und wir hätten sie wie einen Wachtelschwarm gefangen. Ter Oberpriester hat sich doch sonst im Felde wacker gehalten, und nun gibt er die Führung aus der Hand, weil ein sterbendes Weib ihm das Herz rührt!" „Die Mutter des Siptah!" siel ihm ein anderer begütigend ins Wort. — „Und doch! Zwanzig Prinzessinnen hätten ihn von der Pflicht gegen uns nicht abwenden dürfen. Wär er geblieben,