Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 18 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/9620171-9626617-9623008--1798-9623021- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JUNG ISRAEL 281 Der rechtschaffene und freigebige Hrzt. (iHatf) dem Talmud.) Abba war ein berühmter Arzt, voll großen! Rllf wegen seiner Kenntnisse, in großer Achtung imb Verehrullg wegen seiner Rechtschasfenheit. Sein Haus war voll einer großen Menge Leuten besucht, die ihn konsultierten und bei ihnl Heilung suchten. Er hielt zwei getrennte Zimmer, eines für die Fraucll bestinlmt, das andere für die Männer. Vor seinem Hanse hielt er eine Büchse, in welche, wer ihn gebrauchte, irgend eine Münze hineinwars, wenn er koilnte oder wollte, ohne daß ein anderer es sah; und wer weniger gab, brauchte nicht zll erröten. Den Armen gab er selbst Geschenke, indem er sagte: „Hier, lim die Arzneien zu kaufen." Eines Tages nahnlen sich die Gelehrtell vor, fein Gemüt auf die Probe zu stellen. Elnige von ihnen gehen, ihn zu besuchen; sie werden glänzend aufgenomnlen, reichlich bewirtet nlld aus Weiche Teppiche schlafen gelegt. Gegen Morgen stehell sie auf, ohne ein Wort zu sprechen, packen die Teppiche zusainnlen und tragen sie mit sich fort. Ter gute Arzt geht aus und sieht diese seine Gäste mit dein Pacl unter denl Arllle, wie wenn sie etwas verkaufen wollten. Sie gehen ihm entgegen, zeigell ihnl die Teppiche und sagen zu ihm: „Herr, um welchen Preis würdet ihr sie kaufen?" Ter gute Arzt betrachtet sie und bietet. Seine Freunde stellen sich hierüber aufgebracht und rufen: „Das ist ein zll geringes Gebot." „Entschuldigt," antwortet der Arzt unbefangen, „es ist gerade der Preis, den sie nlich gekostet haben." „Sie sind euer, ja, sind euer, sagen endlich jene Gelehrtell, von Bewullderung und Achtung erfüllt; nehmet sie zurück. Aber, gestehet doch gütigst, als ihr sähet, daß euch die Teppiche fehlten, welchen Verdacht habt ihr gehegt?" „Ich vermutete, daß ihr Geld zum Loskaufen von Sklaven zu sammelll hättet lilld nicht wagtet, es mir zu sagen. Aber es sei: Ich habe auf diese Teppiche schon verzichtet. Sie sind für die Armen bestinlmt."