Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 17 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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270 JUNG ISRAEL „Aber, Mädel, wie siehst du aus?" lachte betreten die große Freundin. „Bei dir wirds einem ja ganz grün vor den Augen." Ei, bekam da das Adelheidchen einen Schrecken! Das grüne Sonnenschirmchen hatte abgefärbt, auf die wunderschönste und ausgiebigste Art. Ein kleines Farbenbächlein war heruntergeslossen und ausgesucht schnurstracks aufs feine Weiße Schürzchen! Das war nun weiß und grün getupft — eine herrliche Zusammenstellung! „Niekchen," schluchzte das Kind, „ich Hab so Angst nach Hause zu gehen." „Konun, wir waschens hübsch unter der Dachtraufe ab." Eifrig rieben die Beiden das Schürzchen. Aber ach, viel besser wards nicht. Nur stellenweise wurden die Flecken ein bischen heller. Riekchen mußte auch weiter in die Apotheke. Verschüchtert schlich das Adelheidchen nach Hause. Sein Gesichtchen glühte. Man sollte meinen, nicht allein von der Aufregung. Eher daß eine kleine Erkältung sich dazu gesellt hatte. Wenn man auch so unvorsichtig ist! Daheim gabs tüchtige Schelte. Natürlich. Und verdientermaßen. Denn „hakaul jofe b'itau". Alles ist schön zu seiner Zeit. Der Regenschirm taugt für den Herbstregen, und der Sonnenschirm für den Sonnenschein. Nur einen Schirm gibts, der taugt für alle Zeiten. Und der ist echt und unverwüstlich in allen Zeiten. Ratet einmal, welchen! 2. D e r n e u e A n z u g. Um dieselbe Zeit kehrte Friede! mit seiner Tante von der Großmutter zurück. Man hatte dort Geburtstag gefeiert. Kuchen war geschleckt und Schokolade geleckt worden. Daheim hatte man dem Friede! besonders eingeschärst, sich ja schön manierlich zu benehmen und vor allen Dingen auf den neuen Anzug keine Flecken zu machen. Denn Friede! war selbst aus sich heraus ein kleines Putznärrchen und hielt was drauf, immer nett und adrett zu gehen. Berechtigterweise. Die Einladung war vorüber. Es war alles gut abgelaufen. Der Zwetschenkuchen hatte keine Spuren hinterlassen. Und auch von Schokoladeabdrücken nahm man nichts wahr. Nun kmn der dumme Regen dazwischen, bei dems einem angst und bange wurde um den neuen Anzug. Da hieß es laufen. — Aber der Regen lief noch rascher. Nun flüchtete man unter einen Torbogen. Allerlei Leute standen schon darunter. Der Herr Oberlehrer Seligmann, der von