Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 17 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUNG ISRAEL 269 Ja, das Schirmchen! Wie einem das lange im Sinne gelegen hatte und so lange umsonst im Sinne gelegen hatte. Der Onkel hatte es von der Sonnnersrische mitgebracht. Es war für Adelheidchen schon eine stille Seligkeit gewesen, es nur anzusehen. So schön grün und glänzend sahs aus. Ganz zum Verlieben. Und erst wenn mans ausspannen und spazieren führen durste! Doch damit hatte es jetzt im Spätherbst noch gute Wege. So sagten mindestens die Eltern. Und die mußtens doch wissen. Nur gar so lang warten aus den ersten Ausgang mit dem Sonnenschirmchen, das war doch zu hart. Und Adelheidchen hatte sich besonnen und besonnen, wie es geschickt anzustellen sei, um einmal das Vergnügen zu kosten. Heute, in einem unbewachten Augenblicke, als die Mutter gerade um die Ecke herum zur Gemüsefrau gegangen war, hatte sie sich heimlich an den zufällig offenen Schrank geschlichen, das Schirmchen geschwind herausstibitzt, an sich gedrückt wie ein leibliches Kind, und war dann hinausgestiefelt. Selbstverständlich schlauerweise um die andere Ecke. Und wie sie ging und stand, im wollenen Kleidchen mit dem weihen Schürzchen drüber! Und nun stolzierte sie kerzengerade hin und her und hielt ihre Kostbarkeit so steif in den Lüsten, daß ihr der Arm fast weh davon tat. Sonderlich vernünftig wars nicht, das Schirmchen so steif über sich zu halten. Denn es regnete schief, und der Wind peitschte die Tropfen recht herzhaft aus das Kleidchen und Hälschen und Gesichtchen. War gar nicht schonend und behutsam, der Herr Wind. Nur die grüne Rinne, die sich aus dem Schirmdach gebildet hatte und die langsam seitlich heruntersloß, die duldete er boshafter Weise und lenkte sie auf gar keinen anderen Weg. Allmählich wards dem Adelheidchen etwas ungemütlich. Die Beinchen trippelten gemächlicher. Ta kam glücklich das Riekchen daher, Adlers Riekchen. Die war kinderlieb. So stands im Dienstbuch. Zu deutsch: sie hatte Kinder lieb. Ernstlich lieb, auch wenn ihr manchmal etwas an ihrem Umgang nicht behagte. Und auch das Adelheidchen nahm eine Stelle in ihrem Herzen ein. Das beruhte auf Gegenseitigkeit. Das Kind war ihr nicht minder zugetan. Freudig liess sofort aus Riekchen zu. Das war endlich eine Bewunderen, und eine rechte. „Schau nur, Riekchen, was ich da Hab," schwenkte sie ihr Kleinod.