Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 16 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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252 JUNG ISRAEL Das kranke Kind und die Engel. Von Arthur Silbergleit (Breslau). Die Engel des Himmels sangen so süß, daß das Seelchen des armen fieberkranken Kindes nach ihnen Sehnsucht empfand. Doch konnte es nicht heimkehren in die Sternenheimat; denn Mütterchen, das an seiner Wiege stand, flehte zu inbrünstig: „Bleib mir, bleib mir!" Die Engel des Himmels aber sangen immer süßer: „Kommst du nicht?" So flackerte das arme Seelchen, wie das Licht einer windhauchberührten Kerze zwischen Tod und Leben. Denn auch das Erdental ward ihm schön durch die Liebe seiner Mutter und durch zarten Blumendust und holden Vogelfang. In dieser heiligen Stunde sandten die Engel des Himmels eilten Boten, einen Stern, hernieder. Ter schickte seine goldnen Aeuglein in die Kammer und sah hier ein Bild der Liebe: Mutter und Kind. Wie sie leise die Hand ihres Kindes ergriff, sie koste und in sich hineinweinte. Wie sie eine Rose in sein weiches Lockenhaar tat, als wollte sie ihr sterbenskrankes für sich oder zur Fahrt ins Jenseits schmücken. Alles das, was der Stern gesehen, erzählte er den Engeln. Als er von den Tränen der Mutter sprach, taute auch hinter ihren Wimpern der Schmerz auf. „Soll das Mutterherz zerbrechen? Lassen wir das Seelchen ihr!" „Soll es weiter in den Schmerzenslanden pilgern?" „So nehmen wir beide, Mutter und Kind, zu uns!" Und also geschah es. Das arme Kind zog aus Ettgelsschwingen in seine Sternenheimat, und die Mutterseele folgte ihm den blauen Wolken zu, immer höher, immer höher .