Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 16 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUNG ISRAEL 249 Königreiche der Kinderwelt/) (Eine Erinnerung). Bon Abraham Reisen. Fast 2000 Jahre sind verflossen, seitdem die Juden kein Königreich und keinen Herrscher mehr haben, und doch macht ihnen dieser Umstand nicht viel Kopszerbrechen, das heisst den Erwachsenen, die wichtigere Sorgen haben, als Königreiche und Herrscher. Sie haben ums liebe Brot sich 51t kümmern. Wir Schuljungen jedoch konnten Königtum und Herrscher nicht vermissen. Zwölf waren wir beim Lehrer und es konnte sich doch nicht jeder so benehmen, wie er wollte! Nein, unmöglich! Man mußte ein Königtum gründen und einen Herrscher krönen. Wir lernten nicht vergebens die heilige Schrift, um nicht zu wissen, wie man ein Königreich einrichte, und einen Herrscher salbe. Die ganzen Bücher „Samuel I und II", und die ganzen Bücher „Könige I und II" erzählen von den Heldentaten jüdischer Könige, von ihren Kriegen mit den Philistern und ähnlichen Ungeheuern. Unsere Väter freilich, die den ganzen Tag im Kramladen sitzen mußten oder denen das noch unverkaufte Getreide Sorge machte, wußten das nicht oder hatten es zumeist vergessen. Wir Kinder jedoch, die wir keine andere Beschäftigung hatten, wir wußten genau, wie ein Königtum nach alter Sitte gegründet werden mußte. Und selten versagten wir uns dieses auch, so daß es fast keine Schulklasse ohne Königtum gab. Zum Könige wählten wir den Stärksten und Kräftigsten, das heißt nicht: wir wählten ihn, — sondern, da er der Stärkste war, wählte er sich selbst .... Wir hatten fast nie etwas dagegen. Der König musste doch stark und kräftig sein! Vielleicht kommt es zu einem Kriege mit einem anderen Königreiche, da musste er doch Schlachten gewinnen. Bei *) Aus dem Jüdischen übersetzt von Leo Goldhammer.