Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 16 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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246 JUNG ISRAEL Ter Bruder Moses nähert sich ihm liebevoll und spricht also: „Mein Bruder! Damals, als ich auf dem Sinai war, hatte mir Gott schon seinen Beschluß geoffenbart, diesen Tempel dem Tode eines Großen zu weihen. Von jener Stunde an betete ich immer, daß diese Weihe durch mich oder durch dich vollbracht würde. Nun scheint es, daß deine Söhne größer als du und ich sind." Aron nahm in seinem Gemüte die Freude dieses Trostes auf lmö schwieg ergeben. -r- -r- -r- * Moses war ganz von Schmerz erfüllt, feinem geliebten Bruder Aron die letzte Stunde anzeigen zu müssen. Die Nacht fand er weder Schlaf noch Ruhe, und kaum leuchtete der Morgen, erhob er sich ganz aufgeregt und begab sich in das Haus Arons. Aron war sehr verwundert, den Bruder so früh zu sehen und fragte ihn nach der Ursache. „Die ganze Nacht, erwiderte Moses, habe ich nicht schlafen können; denn ich ging in meinem Geiste einige Dinge des heiligen Gesetzes durch, die mir sehr schwierig und hart erschienen; und ich bin so bei Zeiten gekommen, um sie mit dir zu überlegen." Sie öffnen nun das heilige Buch des Gesetzes und fangen an zu lesen von den ersten Worten an, und bei jeder Stelle riefen sie einmütig aus: „Das ist heilig, dieses ist groß, dieses ist gerecht." Unterdessen kommen sie an die Geschichte der Sünde Adams, und Moses hält nachdenklich inne, und ruft dann schmerzlich: „O Adam, du hast den Tod in die Welt gebracht." Und Aron antwortet: „Warutn betrübst du dich darüber, mein Bruder? Führt der Tod nicht zu den Freuden des Eden?" „O, es ist doch eine schmerzliche Sache, versetzte Moses; ich habe mich unter den Engeln bewegt, du hast den Tod bezähmt, und doch müssen wir beide sterben. Wie viele Jahre denkst du, daß wir noch zu leben haben?" „Vielleicht zwanzig Jahre." „O, noch weniger," rief Moses aus. „Vielleicht fünfzehn?" „Viel weniger." Und so fort gab Aron immer eine geringere Zahl an, und erhielt immer die nämliche Antwort. Eine schreckliche Vermutung bemächtigte sich der Seele Arons, und er wurde ganz verwirrt davon. Und der Bruder sagte mit sanfter Stimme: „O mein Geliebter, wäre es dir nicht lieb, daß man