Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 16 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DER NIL VON MARIE EUGENIE DELLE GRAZIE. Es war in der Mitte des Sommers, mit glühender Hitze Quälte die feurige Sonne Menschen und Tiere. Müde und abgespannt Suchten die Tiere den Schatten, und die Menschen Stürzten sich, dem dumpfen Gemach entfliehend, Labende Kühlung suchend, in deine Flut. So nahte dir auch, Umgeben von vielen Sklavinnen, Die schöne Königstochter Aegyptens; Vergnügt mit ihrer Gespielin Im rauschenden Wasser tändelnd, schwamm sie alsbald, Die Lose haschend, nahe ans Ufer, und bog Das hohe Schilf ein wenig zur Seite; doch sieh’, Da hielt sie plötzlich inne — und zog erstaunt Ein kleines, binsengeflochtnes Körbchen hervor! Auf ihr Rufen Eilte behend eine Sklavin herbei und löste Die viel verschlungenen Knoten des Flechtwerks; Und als dies nun gescheh’n und die Königstochter Neugierig den Deckel hob, — da lag, o Wunder, Ein schwarzgelocktes Knäblein im Korb und schaute Mit grossen, klugen Aeuglein so flehend sie an, Dass ihr Erstaunen alsbald zu Mitleid, Ihr Mitleid aber zu Liebe wurde. Sanft und zärtlich Hob sie das Kind aus dem Körbchen und wiegte, Lange sinnend es hin und her.