Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 16 (1905) · p. Seite 241

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
16 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 241 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9620171-9626617-9622958--1740-9622963
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DER NIL VON MARIE EUGENIE DELLE GRAZIE. Es war in der Mitte des Sommers, mit glühender Hitze Quälte die feurige Sonne Menschen und Tiere. Müde und abgespannt Suchten die Tiere den Schatten, und die Menschen Stürzten sich, dem dumpfen Gemach entfliehend, Labende Kühlung suchend, in deine Flut. So nahte dir auch, Umgeben von vielen Sklavinnen, Die schöne Königstochter Aegyptens; Vergnügt mit ihrer Gespielin Im rauschenden Wasser tändelnd, schwamm sie alsbald, Die Lose haschend, nahe ans Ufer, und bog Das hohe Schilf ein wenig zur Seite; doch sieh’, Da hielt sie plötzlich inne — und zog erstaunt Ein kleines, binsengeflochtnes Körbchen hervor! Auf ihr Rufen Eilte behend eine Sklavin herbei und löste Die viel verschlungenen Knoten des Flechtwerks; Und als dies nun gescheh’n und die Königstochter Neugierig den Deckel hob, — da lag, o Wunder, Ein schwarzgelocktes Knäblein im Korb und schaute Mit grossen, klugen Aeuglein so flehend sie an, Dass ihr Erstaunen alsbald zu Mitleid, Ihr Mitleid aber zu Liebe wurde. Sanft und zärtlich Hob sie das Kind aus dem Körbchen und wiegte, Lange sinnend es hin und her.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.