Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 15 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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236 JUNG ISRAEL einem Manne, der eine Menge Arbeiter beschäftigte. Ein sehr feiner Mann mit einem großen Diamanten im Hemdbusen. Bykowski? Ja, den hatte er gekannt, ihn längere Zeit beschäftigt. Wo er jetzt sei? Ja, das wußte er nicht. Aber als Bykowski von ihm fortgegangen, hatte er eine eigene Werkstatt eröffnet und war selber „Boß" geworden. „Ein Boß?" fragte ich. „Was ist ein Boß?" „Ich bin ein Boß," entgegnete der Mann. Darauf fah ich mir seinen Brillantknopf nochmals an. „Hm," sagte ich, „wenn Bykowski ein Boß ist, hat er vielleicht auch solch großen Diamanten! Und ich ging fort, um mich nach dem Boß Bykowski zu erkundigen. Unterwegs aber dachte ich mir, daß es doch nicht schön von mir sein würde, wenn ich mich schmutzig zeigte. Nein, ich nahm mir vor, Bykowski zu sagen, daß ich fünftausend Dollars besäße, und die Hälfte davon ihm gehörte. „Ich will nobel sein," murmelte ich vor mich hin. Nach vielem Fragen traf ich einen Polizisten, der Bykowski kannte. Er wisse zwar nicht, wo mein Freund wohne, habe ihn aber als Schneider-Boß gekannt. „Ist er denn nicht mehr in dem Geschäft?" erkundigte ich mich. „I wo," versetzte der Polizist, „er hat feine Werkstatt verkauft und eine Wirtschaft eröffnet." „Ist denn darin mehr Profit?" fragte ich. Der Polizist lachte mir ins Gesicht. „Ganz gewiß! Ein feiner „Saloon" ist mehr wert als ein Dutzend Schwitzbuden. „So, so! Wenn ich nur gewußt hätte, wo sich das Lokal Bykowskis befände! Ich nahm mir vor, so lange vor einer Wirtschaft zur anderen zu gehen, bis ich ihn gefunden hätte. Und dann würde ich vor ihn treten und zu ihm sagen: „Bykowski, ich komme zu dir, um zu tun, was in unserem Vertrage steht. Siebentausend Dollars habe ich mir gespart, und die Hälfte davon ist dein!" Denn ich hatte Bykowski von Herzen gern, — wir waren immer wahrhaft gute Freunde gewesen. Von Wirtschaft zu Wirtschaft ging ich. Ich bin kein Trinker, aber da ich nicht soviel Fragen stellen wollte, ohne auch etwas dafür auszugeben, kaufte ich mir jedesmal eine Zigarre. Und bald hatte ich alle Taschen voll Zigarren. Ich rauche nicht, aber ich hob sie für Bykowski auf, denn er war immer ein starker Raucher. Endlich