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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 14 (1905) · p. Seite 216

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
14 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 216 (sequence 12)
Language
German
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216 JUNG ISRAEL Der Scbammes. Dichtung und Wahrheit von S. M e i f e I s. Vierzig Jahre war Mendele Schammes in der Kischineffer Schul'. Spnagogendieuer von Beruf, war er in der Stadt doch nur unter dem Namen „Mendele Sopher" bekannt. Er war auch Thoraschreiber. Eigentlich wußte er selbst nicht, welches seine Haupt- und welches seine Nebenbeschäftigung wäre. Ter einen wie der anderen war er mit gleichem „heiligen" Eifer zugetan. Er war geradezu verwachsen mit seinen beiden Berufen; sie bildeten fein Lebenselement, und er würde sich nie dazu entschlossen haben, den einen zu Gunsten des anderen aufzugeben. Täglich sorgte er für die Reinheit und Sauberkeit der Schul, für das Putzen der Leuchter und das Brennen der „ständigen Kerze", und täglich mußte er mindestens einige Bibelverse auf das Pergament schreiben. Viel Arbeit und wenig Einkommen, das war das Ergebnis seiner beiden Berufe. Aber Meudele klagte nie. Man schlägt sich durch, Gott verläßt nicht, pflegte er oft zu sagen und philosophierend hinzuzufügen: „Meine Arbeit, gelobt sei Gott, wirft doch etwas ab und wieviel sie abwirft, ist's genug. Die Arbeit selbst ist auch Lohn. Die Schul ist doch eine Schul, ein Gotteshaus, ein mokaum Kodausch, und das Thoraschreiben ist eine awaudas hakaudesch, eine heilige Arbeit. Vierzig Jahre der Schul gedient zu haben, und im Leben zwanzig Sphorim (Thorarollen) geschrieben zu haben, das ist keine Kleinigkeit." Er Pflegte das oft mit einem gewissen Stolz zu betonen und dabei, zufrieden lächelnd, seinen kleinen grauen Bart zu upfeii. Mendele war auch ein Gelehrter. Zwar im Talmud nicht so außerordentlich bewandert, aber die Leute wußten es, daß er viel gelernt und viel versteht. Mendele hat schon unzählige Mal Maimons

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