Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 13 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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208 JUNG ISRAEL Grausen, wie sie Wohl hier in den engen, dumpfen Gassen gehaust haben mögen. Denn früher, in alten Zeiten, waren die Juden streng an ihren Stadtteil gebunden, den sie nur mit besonderer Erlaubnis verlassen durften. Aber ihre Begräbnisstätte liegt herrlich am Ufer des rauschenden Meeres, auf den: Lido. Sie durften nicht auf „geweihtem Boden" liegen und so mußten sie hier draußen ihren Friedhof anlegen, den Himmel und Meer dafür mit unendlicher Schönheit „geweiht" und in den: die schlanken Zypressen zum Himmel ragen und im leisen Winde sich wie betende Priester zueinander neigen. Jetzt ist es der freie Wille der im Ghetto Wohnenden, wenn sie hier im Judenviertel bleiben. Viele mögen wohl die Pietät und die Familienliebe, diese Hauptgüter des Judentums, dazu bewegen, weiter hier an der Stätte zu wohnen, wo Vater und Großvater lebten und starben, wo zwischen den bemoosten Steinen und dem alten Epheu die Erinnerungen wachsen, innnergrün wie das Moos und der Epheu. Zu unteren XUuftrationen und der Kunftbellage. Drei verschiedene Lebensalter führet: uns die jüdischen Künstler vor: Iozef Israels, der berühmteste jüdische Maler, zeigt uns das wahrhafte Mutterglück: die Mutter, die ihrem Kind, das noch unbeholfett ist, Speis und Trank und damit Kraft und Gesundheit reicht. Auf dem zweiten Bilde, das von den: englisch-jüdischen Meister Solomon stammt, ist es nicht mehr ein hilfloses Wesen, das auf Schritt und Tritt der Mutter bedarf; fröhlich spielt das Kind zu Füßen der Mutter, die glücklichen Auges auf ihren Jungen blickt. Pilichowski, der russisch-jüdische Künstler, zeigt uns einett alten Juden, der — müde von Arbeit und Wandern — sich für ein kurzes Weilchen der Ruhe hingtbt. Sie ist ihnt wohl zu gönnett.