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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 11 (1905) · p. Seite 168

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
11 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 168 (sequence 12)
Language
German
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168 JUNG ISRAEL Die Wunderblume €in jüdilcbes fflärcben von Dr. beinricb Cocwe Es war Frühling geworden, uu-d draußen im kleinen Garten saßen viele Sperlinge auf dem breitschattigen Apfelbaume und zwitscherten so niedlich, wie sie es das ganze Jahr über nicht getan hatten. Der blühende Weinstock, der am ganzen Hanse emporrankte, duftete noch lieblicher als alle die vielen roten Rosem, als die Levkojen, je selbst als die- Bliiten des großen, weißblühenden Rosenstockes. Gerade gegenüber vom Hanse mühte sich ein schwarzgelockter Knabe, die griingestrichenen Stäbe an der Laube im Garten,, die während der Winterszeit abgebrochen waren, wieder zu befestigen. Aber diese Arbeit war ihm doch noch 31t schwer, und er lies wieder davon., um ans den großen Apfelbaum zu klettern, so daß die Sperlinge ängstlich von dannen flogen. Vom Nachbarhofe sah ihn aber eine alte, häßliche Frau, der er nie etwas zu Leide getan hatte. Tenn er tat überhaupt niemandem crwas zu Leide. Tie verzog ihr Gesicht und schalt mit rauher Stimme: „Tu -schwarzer, garstiger, dummer 'Judenjunge, willst Tu wohl vom Baume hinunter, Tu unniitzer Bengel!" Ta kletterte er vom Baum hinunter und weinte, und setzte sich traurig aus die Bank in der Laiche. An ihrem Eingänge stand mm eine farbenprächtige Wunderblume, die sehr lieblich duftete, und deren Bliiten bald weiß, bald rot, bald buntgestreift waren. Und wie der kleine jüdische Knabe mit Tränen in den Augen nach der Blume sah, so bemerkte er mit einem Male eine neue Blüte, die höher als die anderen und wie der Himmel blau war. Ta lies er hin., um sie zu betrachten; denn er hatte alle die schönen Blümchen so lieb, — und die letzte Träne fiel mitten hinein in die blaue Blüte. Sie öffnete sich noch weiter, und aus ihrer Mitte kam eine Frau

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