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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 10 (1905) · p. Seite 159

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
10 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 159 (sequence 19)
Language
German
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JUNG ISRAEL 159 gehörigen Samarkand und in einzelnen Teilen von Taschkent. Der bncharische Jude bewahrt einen unverfälscht hebräischen Typus der Glanzzeit des Jüdischen Volkes und hat sich von jeder Vermischung freigehalten. Besonders schön ist der Frauentypus. Sämtliche Reisende haben die Schönheit der bucharischen Juden stets hervorgehoben. Die soziale und rechtliche Stellung der bucharischen Juden vor der Eroberung Samarkands durch die Russen war die denkbar traurigste und erinnert stark an die Stellung, welche die Juden in den mittelalterlichen europäischen (Staaten einnahmen. Da ihm der Erwerb von Grundbesitz versagt ist, so muß der bucharische Jude sein Haus von den Rechtgläubigen (d. h. den Bekennern des Islam) pachten, wozu er der Konzession des Emirs oder Ehan bedarf; bis 1886 zahlten die Juden in Samarkand eine jährliche Kopfsteuer von 24—25 Mark, so daß nach einer Schätzung der Judentribut etwa 16 000 Mark betrug. Auch weitgehende Erschwerungen durch höhere Abgaben aus eingeführte Waren, als sie der Muselman zahlt, hielten den bucharischen Juden unter furchtbarem Druck, der selbst die Ausübung seines Gottesdienstes geheim halten mußte. In dem Judenviertel von Samarkand fand sich 1868 die Synagoge umbaut von anderen Häusern; ein Bekanntwerden des Gottesdienstes hätte den Juden den Kopf gekostet. Rur so ist es zu verstehen, daß die bucharischen Juden von unbegrenzter Dankbarkeit gegen die Russen als ihre Befreier erfüllt sind. Der Handel ist den bucharischen Juden sehr erschwert, auch sind ihnen die Perser und Sarten an Gewandtheit überlegen, und die Gläubigen kaufen nicht bei den Juden. Sie verlegen sich daher auf den Außenhandel nach Europa. Im Gegensatz zu den Hindus in Buchara halten sich die bucharischen Juden von ben Wuchergeschäften streng fern. Als Handwerk wird von ihnen besonders das Färben der Seide geübt. Die Beschäftigung der russischen Juden j in Buchara ist eine wesentlich andere; in ihren Händen liegt der Handel mit Branntwein, Bier, Tabak, im großen und kleinen; als Handiverker üben sie das Schneider¬ und Schuhmacherhandwerk. Durch rastlosen Fleiß haben es die bucharischen Juden vielfach zu großem Reichtum selbst unter den früheren drückenden Verhältnissen gebracht. Im Bildungswesen nimmt der Unterricht im Hebräischen, die Bibellektüre eine hervorragende Stelle ein.

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