Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 10 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9620171-9626617-9622804--1598-9622821- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JUNG ISRAEL 15. Mitteln den Verkehr mit dem Lande, indem sie vorsichtig durch die schmale Lucke zwischen den weißumbraiweten Klippen und Felsen hindnrchschlüpfen. Es ist ein eigener, eigenartiger Anblick, diese schmale Eingangspsorte, durch die der Weg in des Orients Wunderland sühn. An den Klippen erkennt man mit Mühe die Neste eines uralten Hafendammes, einer Arbeit eben jener Phönizier, die zuerst mit Sicherheit der örtlichen .Lage erkannt haben. Innerhalb der Felsen bildet sich ein Wasserbecken, das als Binnenhafen dient —- in dem die Macht der Wogen, gebrochen durch den Klippenkanuu, weniger heftig brandet und braust. Jaffa ist ein eigenartiges Stück der Weltgeschichte. Wenn mau bedenkt, daß die Thuthmosischen Pharaonen von Aegypten sich schon in der vormosaischen Zeit mit Stolz rühmen, daß die Festung „Jopu" zu den von ihnen bezwungenen Städten gehört: wie hier später die Hethiter und Philister gehaust, lute dann die Stadt von dem makkabäischen Könige dem jüdischen Reiche einverleibt worden, um noch später von den Römern erobert zu werden', wenn man sich ferner erinnert, daß der Sultan Melik-ibn-Adil im Jahre 1196 die Stadt von Grund aus zerstörte, die seitdem nur ein bedeutungsloser Flecken war, so begreift man die Wechselfälle des menschlichen Geschicks und die Unersorscblichkeit göttlichen Waltens in der Weltgeschichte. Im letzten Jahrzehnt ist dann die Stadt besonders durch jüdische Einwanderung emporgebliiht, und während bis 1882 nur ein einziger europäischer Jude in Jaffa wohnte, zählt diese Gemeinde heute schon über 3000 Seelen, während die Stadt kaum 30 000 Einwohner hat. Kaum irgend eine Stadt der Welt kennt einen solchen Fremdenverkehr wie Jaffa. Passieren docki jahrein, jahraus nicht weniger als 100 000 Pilger den Ort, um von hier aus, teils zu Pferde, teils aber auch mit der Eisenbahu Jerusalem, die allen Kulturvölkern heilige Stadt, zu erreichen. Noch mehr tragen zu Jafsa's neuer Blüte die zahlreichen jüdischen Ackerbau - kolonien bei, von denen allein acht in nächster Nähe Jaffa's liegen. Tie Einwohnerschaft freilich setzt sich, wie es in Jaffa nur natürlich ist, aus allen Nationen der Welt zusammen. Und wie man hier Juden trifft aus allen europäischen Ländern, aus Amerika, Nordafrika, aber auch aus Jemen, Indien und Samarkand, so hat man neben dem Stadt' viertel der Araber und demjenigen der sephardischen und aschkenasischen Inden auch solche von Württembergern, „Lateinern", Griechen und Ar-